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21. September 2012

KUNSTSAMMELN . KUNST SAMMELN

Filed under: art,contemporary art,kunst,museum — LitterART @ 19:04
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KUNSTSAMMELN . KUNST SAMMELN

Eine Dokumentation der Salongespräche und der Podiumsdiskussion mit steirischen Sammlern anlässlich der Sonderausstellung SAMMLER-LEIDENSCHAFT im Museum des Stiftes Admont 2011

Initiiert, transkribiert und herausgegeben von Barbara Eisner-B.

 

Vorwort

KunstsammlerInnen sind wichtige Akteure im Kunstgeschehen. Die Intention des initiierten Rahmenprogramms zur Ausstellung Sammler-Leidenschaft 2011 im Museum des Stiftes Admont, war eine Vertiefung und Erweiterung des Ausstellungsthemas. In Salongesprächen und einer Podiumsdiskussion wurde das komplexe Thema Kunstsammeln aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert. In der Begegnung und Diskussion gewährten steirische SammlerInnen wertvolle Einblicke in ihren persönlichen Zugang zur und Umgang mit Kunst. Ihr Tiefblick in die Strukturen, Mechanismen und Verhältnisse im Kunstbetrieb, ihre Ansichten, Einsichten, Erfahrungen und Erlebnisse sind bedeutungsvolle Beiträge in der Auseinandersetzung zum gegenwärtigen und zukünftigen Kunstgeschehen. Wesentliche Fragestellungen in Bezug auf Kunstsammeln konnten generiert werden, die in einer weiteren Beschäftigung mit dieser Thematik einfließen werden. Danke!

Barbara Eisner-B.

 

Anlass

Die vorliegende Publikation ist eine Dokumentation des Rahmenprogramms zur Sonderausstellung SAMMLER-LEIDENSCHAFT im Museum des Stiftes Admont. Vom 27. März bis 6. November 2011 wurden Highlights österreichischer Kunst im Zusammenspiel mit hochrangiger internationaler Kunst aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart aus den Beständen steirischer Sammlungen gezeigt. Bei der Auswahl der SammlerInnen wurde von Kurator Michael Braunsteiner besonderer Wert auf eine möglichst kontrastierende Sammlungsstrategie gelegt:

Sammlung Hermann Eisenköck, Architekt

Sammlung Maria und Thomas Mark, Galeristen

Sammlung Rudi Molacek, Künstler

Sammlung Kurt Ryslavy, Künstler und Unternehmer

Steirische Firmensammlung (anonym)

Sammlung Gegenwartskunst, Stift Admont

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Auszug aus der Rede des Kurators Michael Braunsteiner zur Eröffnung

„….. Das Thema Sammeln lässt sich unter vielen Aspekten betrachten. Sammeln bewegt sich zwischen essentieller Notwendigkeit wie bei unseren Vorfahren, den Jägern und Sammlern, und den bedenklichen Zwangsneurosen so manches Konsumsklaven unserer Zeit. Sammeln kann extrem eigennützige, berechnende, egozentrische Züge haben. Sammeln kann auch soziale Gründe aufweisen, wie etwa bei der hier vertretenen steirischen Firmensammlung, die anonym bleiben möchte: Im Vordergrund steht dabei in erster Linie die Förderung junger aufstrebender Künstler. Daneben wird die Kraft der Kunst-Ästhetik in der Gestaltung der Arbeitsplätze genützt. Beide Aspekte finden sich neben anderen auch in den Beweggründen des Sammelns in unserem eigenen Hause wieder. ….. Unser ganzes Leben wird vom Sammeln bestimmt: Dem Sammeln von Erfahrungen, Eindrücken, Wissen etwa, oder dem Ansammeln von Gegenständen, die irgendeine besondere Bedeutung für uns haben, während sie für Andere völlig bedeutungslos sind.

Wer sammelt, hat in jedem Fall einen Anlass dazu: Das spiritueller und konkreter Kunst zugetane Sammlerpaar Maria und Thomas Mark etwa hat schon früh der Wunsch beseelt, gute Kunst nicht nur in Museen und Ausstellungen zu sehen, sondern auch zu Hause betrachten zu können, mit Kunst zu leben. Wer sammelt, verfolgt zumeist auch ein Ziel. Ein solches hat der hier vertretene Sammler, Herr Architekt Eisenköck, exemplarisch formuliert, indem er sagt: `Ziel des Sammlers ist es, die Vielfalt einer Zeit mit ihren künstlerischen Leistungen und Gegensätzen zumindest ansatzweise auszuloten´ ….. Austausch und Dialog zwischen unterschiedlichen Sammlungen und den Menschen mit ihrer Leidenschaft zum Sammeln stehen im Vordergrund: Wir erleben ein Kunst-Meeting von ADMONT GUESTS mit der Sammlung Stift Admont ….. Mehrere Sammlungen, hinter welchen Menschen mit unterschiedlichen Ansätzen und Zielen stehen, tauschen sich in frisch-frecher Zusammenschau aus, stellen sich in Beziehung. Mit ihnen in gewisser Weise auch der Sammler selbst. Rudi Molacek verwebt in seiner Installation in der barocken Säulenhalle auf poetische Weise Werke aus seiner Sammlung, darunter geknüpfte tibetische Klosterteppiche, mit Exponaten aus den historischen und aktuellen Sammlungen des Stiftes Admont. Im prachtvollen klösterlichen Ambiente eröffnen sich neue Seh- und Wahrnehmungsweisen. Peter Weibel, der in dieser Ausstellung als Künstler vertreten ist, skizziert in seinem Text über Rudi Molacek so: `Ein idealer Sammler ist daher jemand, der die temporale Struktur des Sammelns aufbricht, der nicht nur an die Kunst glaubt, sondern auch nicht an sie glaubt, der seinen Fähigkeiten vertraut und gleichzeitig nicht vertraut. Ein unsicherer Sammler ist der ideale Sammler, der die Selektionsprozesse der Geschichte und die Konstruktionsprozesse der Gegenwart ausbalanciert. Molacek ist so ein Sammler, weil er Sammler und Künstler ist, Konstrukteur der Geschichte wie der Gegenwart.´ Molacek hat schon früh zu sammeln begonnen. Er hat auch eigene Fotografien gegen sehr persönliche, teils extra für ihn gefertigte Werke österreichischer und internationaler Künstler getauscht. Der in Brüssel in Parallelwelten lebende Maler, Installationskünstler, Dichter und Provokateur Kurt Ryslavy verkauft dort besten österreichischen Wein. Dies beschert ihm ein Einkommen, das ihm die Auslebung der von ihm erfundenen bürgerlichen Travestie als Kunstform sichert. Auch er hat früh zu sammeln begonnen. Auch er hat eigene Werke getauscht. Und er hat die Spezies der sogenannten `Verkaufswerke´ mit Originalwerken von Kippenberger, Herold, West, Nitsch, Hansen, Roth und anderen geschaffen. Was genau das ist, fragen Sie ihn selbst. Kurt Ryslavy ist anwesend. ….. Wie wichtig Absenz für Sammler sein kann, war in den letzten Tagen mehrfach aus dem Munde eines der in der Ausstellung vertretenen Sammlers zu hören. Dieser meinte lapidar: `Dass man etwas hat, fällt erst dann auf, wenn es weg ist.´ …..“

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Rahmenprogramm zur Ausstellung

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Frauenberger Salongespräche

Nach einem Rundgang in der Ausstellung im Museum des Stiftes Admont empfing Gastgeber P. Winfried Schwab die inspirierenden Gäste der Salongespräche im Ambiente der Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont. In sehr privater Atmosphäre und bei einem köstlichen Abendessen (Danke an Barbara Brandmüller) wurde zum formulierten Themenkomplex „Sammeln – und der Austausch darüber – verbindet , Bedeutung und Wirkung des Sammelns zeitgenössischer Kunst“ anregend diskutiert.

Salongespräch Freitag, 8. Juli 2011

Michael Braunsteiner, Niki Breisach, Hermann Eisenköck, Barbara Eisner-B.

Claudia Mayer-Rieckh, Rudi Molacek, Heinz Schöttli, P. Winfried Schwab

Salongespräch Freitag, 26. August 2011

Michael Braunsteiner, Barbara Eisner-B., Markus Gugatschka, Stella Plapp, Kurt Ryslavy ,

P. Winfried Schwab, Erich Wolf

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PODIUMSDISKUSSION

Samstag, 1. Oktober 2011

Die Podiumsdiskussion war eingebettet in das Programm des Museums Stift Admont als Beitrag zur ORF-Lange Nacht der Mussen. Die steirischen Sammler und der Kurator luden zu einem Ausstellungsrundgang, in dem so manche Episode und Geschichte zu den einzelnen Sammlungswerken und Künstlerbegegnungen zu hören war. Bereichert wurde die anschließende Podiumsdiskussion „Kunstsammeln“ durch das Impulsreferat von Michael Maier (Bildhauer und Maler): “Das Kunstrecht und der Kunstsammler“.

Am Podium:

Michael Braunsteiner Hermann Eisenköck Michael Maier Thomas Mark Rudi Molacek Kurt Ryslavy P. Winfried Schwab

Diskussionsgast:

Markus Gugatschka

Moderation:

Thomas Hein (Kulturjournalist, Radio freequenns)

Audiodigitale Aufzeichnung: Radio freequenns

Video-Dokumentation: Archiv Barbara Eisner-B.

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PODIUMSDISKUSSION „Kunstsammeln“

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Michael Braunsteiner

Ich darf vorstellen: Thomas Hein vom Radio freequenns, Redakteur von einigen Musik- und Kulturzeitungen. Er wird diesen Abend moderieren. Ich muss eine Person heute leider entschuldigen: unser Wirtschaftsdirektor Neuner liegt mit einer Magenverstimmung im Bett.

Thomas Hein

Ich freu mich in dieser Runde zu sitzen. Wir haben heute vormittag schon zum Thema Museum, Sammlung, Kunst im öffentlichen Raum gesprochen (Sendung Radio freequenns 11 Uhr, Gesprächsrunde Thomas Hein, Michael Braunsteiner, Kurt Ryslavy) und sind auf sehr Vieles gestoßen, eigentlich auch auf sehr viele Blindstellen. Kurt hat es sehr gut gesagt: in Österreich ist viel versäumt worden, wo es gilt, Vieles aufzuholen, auch von Seiten der Politik.

Ich möchte jetzt beginnen mit, sammeln vom Wort her, das heißt, das wieder Zusammenbringen von Dingen. Uns ist bekannt, von der Entstehung her sind wir Sammler … eine Sammlung einverleiben … man spricht auch ein bisschen von was zu sammeln, was eigentlich nicht notwendig ist, weil man es zum Leben eigentlich nicht braucht, … drum ist es irgendwie eine kleine Voraussicht für die Zukunft, etwas zu haben, dass man wieder was tauschen kann.

Kurt Ryslavy

Ja ich würd schreiend intervenieren: Die Kunst brauchen wir unbedingt! Was würden wir ohne Kunst machen!?

Thomas Hein

Das ist sehr interessant, würd ich jetzt einmal sagen. Was beginnt man zu sammeln? Ich glaube, zum Sammeln beginnt man früh, (am Tisch Kastanien) Kastanien, sammeln für den Winter, Vorratshaltung, und auch die Kinder sammeln jetzt: Sticker Mania, da ist die Manie Eigenschaft drinnen, 3 Bände, nicht nur die Bilder einzukleben, alle zu haben, sondern: Es geht auch um Wissen zu vermitteln, es sind auch einige Bilder haptisch, sind auch verschiedene Oberflächen, sind nicht nur eben, der 3. Band ist mittlerweile auf 3 D umgestiegen. Das ist sozusagen der Einstiegspreis (Pickerl in die Höhe haltend): Sammeln kann man beginnen mit 0,50 Cent, also Verbindung von Shopping, Ware und dem Sammeln. Und das sehe ich so als Anlasspunkt als Endpunkt vom Bild im vorletzten Kunstforum, der Kopf von Damien Hirst, ein Werk das 50 Millionen Euro kostet, … in jetziger Zeit, … bleibende Werte … Leidenschaft des Sammelns. Wir haben heute gesprochen, wo es begonnen hat das Sammeln als Kind. Kurt hat heute schon Schwammerln gesammelt. Michael sammelt Radioapparate … Wie seid Ihr zum Sammeln gekommen? Die ersten Ansätze, wo man sagt, das Bewusstsein auch, dass man etwas sammelt. Ist das etwas, das gefördert wird, oder etwas worauf man gestoßen wird? Was war das? Kann da wer anfangen? Was war die erste Leidenschaft, wo es sammeln gibt? Was das erste, wo Sammeln beginnt?

Hermann Eisenköck

Ich glaube, die erste Arbeit, die ich gekauft habe, war eine Hrdlicka-Zeichnung.

Thomas Hein

Ich möchte noch weiter zurückgehen, hast du gesammelt als Kind oder war das, oder ist das etwas, was man gar nicht macht, weil es alle machen? Briefmarken sammeln?

Hermann Eisenköck

Briefmarken-Sammeln hat mich nicht besonders interessiert. Die Dinge, die ich gerne gehabt hätte, habe ich mir nicht leisten können, drum habe ich gleich — ja, das erste was ich gesammelt habe, waren Matchboxautos, wenn man das als sammeln, als Sammlung, bezeichnen kann. Ich kann mich erinnern, diese Tätigkeit, auf der Küchentischplatte ist es möglich gewesen, alle in einer Reihe aufzustellen, mein Bruder hat das in … geschmissen, und da war die Sammlertätigkeit eigentlich in dieser Phase beendet. Ich kann mich erinnern, auch um das Thema Kunstsammeln, natürlich ab und zu wenn es geht, gehe ich auch Schwammerln suchen, das sehe ich aber nicht als Sammeltätigkeit, eher als Gier, ein ordentliches Abendessen, vielleicht einmal sich selbst wieder zu sammeln oder zu suchen. Wenn man das auf die Kunst bezieht, ja, als Schüler, meine Schwester, die auch sehr gut gezeichnet hat, habe ich mir gedacht, ich tu ihr was zu Fleiß und kauf ihr eine Zeichnung, eine kleine Grafik vom Hrdlicka, hab damals gar nicht gewusst, wer das ist, war 11 oder 12 Jahre alt, habe ich in einem Antiquariat gekauft, hat sehr viel Geld gekostet, und meine Schwester war begeistert. Hab ich mir gedacht, irgendwas muss da dran sein, ja, und dann bei Kunst. Bei Kunst ist es ja so, dass es nicht so ganz ohne Geld geht. Beim Studium ist es dann passiert, hatte sehr viele Freunde, auch Architektenkinder, habe sehr viele Künstler kennengelernt. Und da haben wir getauscht: hat einer ein Möbel gebraucht, Möbel gezeichnet, dafür haben wir eine Zeichnung bekommen. In etwa 80% der Arbeiten, die ich gesammelt habe, haben persönliche Bezüge, sprich: ich kenne den Künstler, oder ich bin mit dem Künstler befreundet.

Rudi Molacek

Ich kann mich eigentlich gar nicht erinnern, dass ich vor Kunst irgendwas gesammelt habe. Also was da am ehesten noch kommt, waren die ersten Küsse, die ich bekommen habe, und ich hab mir gesagt: Und irgendwann wird das so weit werden, wo ich nicht mehr wirklich zählen konnte, und irgendwann wird es so weit werden, wo ich mich nicht mehr erinnern kann, wie viele ich geküsst habe, und wie toll würde das sein, wenn ich mich erinnere, wie viele Mädchen ich noch mehr gehabt habe, das war das einzige, was mir so nahe war. Aber sammeln, als Kind hab ich nichts gesammelt.Auch nicht, dass ich irgendwelche Mickey Mouse oder irgendwas gesammelt hätte. Das war nie irgendwie so bei mir das Bedürfnis. Im Gegenteil, ich hab Krishnamurti verehrt: wo man nichts hat, man reist herum, ohne Haus, ohne gar nichts, ich brauche nichts, nur mit einem Koffer, na ja, und dann plötzlich hat sich das schlagartig gewendet. Ich hatte Fotografie gemacht in New York und ich hatte einen Künstler im Atelier, hab für die italienische Vogue eine Serie gemacht: Der Künstler und das Modell; ja und dann war ich halt beim Künstler, hab diese Arbeiten gesehen und war irgendwie im Gespräch mit ihm, und dann hab ich auch sofort die erste Arbeit gekauft von ihm, hab ich in meinem Sammlungskatalog drin, aber nicht hier. Und danach ging es eigentlich so richtig los. Dann hatte ich die Neugierde. Je mehr ich gesehen habe, desto mehr wollte ich haben – und dann wurde ich zur gierigen, gierigen, gierigen Ratte. Das war eigentlich sehr schön.

Kurt Ryslavy

Ich kann mich nicht erinnern, was ich wirklich gesammelt hab als Kind, und wie ich zum Sammeln gekommen bin. Als Künstler und als Dichter, wie ich begonnen  habe, hab ich manchmal irgendwelche Kunstwerke ausgetauscht mit befreundeten Künstlern. Das war eine gegenseitige Wertschätzung. Aber kein Sammeln. Aber wie ich dann vor 25 Jahren nach Belgien gegangen bin, ist das Überleben schwieriger geworden und ich hab entschieden, eine Firma zu gründen und Wein zu verkaufen in Belgien, und dann hab ich pragmatisch von Beginn weg gesagt: Wenn ich jetzt Kohle mach, dann kommt jedes Jahr eben Kunst ins Geschäft. Und so bin ich zum Sammeln gekommen.

Rudi Molacek

Ja das mit der Kunst — so richtig in Kontakt kam ich schon vorher. In Amsterdam hab ich gelebt, und die Eltern meiner damaligen Freundin waren Sammler, die hatten eben Karel Appel, viele Bilder hingen, aus den 50 er Jahren, den van de Velde, französische, belgische und, wie gesagt: es war so eine tolle Stimmung, wie ich zum Essen kam, diese Bilder hingen, es war auch sehr harmonisch alles, war nicht so aufgehängt, es war wirklich so, wie man lebt, mit ein paar Bildern, waren einfach tolle Bilder. Und da hab ich gedacht, wenn ich jemals irgendwie Geld habe, dann werd ich das machen, und dann war der Freund, wo ich da fotografiert hab. Das war dann der Anschluss, anschließend.

P. Winfried Schwab

Bei mir, begann das Sammeln ganz profan. Nämlich in der Küche meiner Mutter mit Backaroma- Röhrchen. Das waren so kleine Röhrchen, ein paar cm groß nur, und da waren verschiedene Aromen drin, haben wunderbar geduftet, da hatte ich Hunderte zu Hause. Da gab es auch eine kleine Sammlung von Eisenbahnfahrkarten. Das gibt es heute nicht mehr, aber früher war es in Deutschland so, dass die Fahrkarten nach der Bahnfahrt auch wieder eingesammelt worden sind. Da gab es einen Schwenker und man musste sie wieder abgeben. Und da ich oft am Bahnhof war, kam hier dieser Bahnhofswärter, der mir diese Karten geschenkt hatte, hatte Fahrkarten aus ganz Deutschland, bei mir zu Hause gehabt. Und als es dann etwas ernster wurde, dann waren es Bücher. Ich habe sehr viel gelesen, und so ist auch eine kleine Sammlung von Büchern zusammen gekommen. Ich hab von ein paar Autorinnen eben versucht, verschiedene Ausgaben jeweils zu ergattern, was sich dann aber erübrigt hatte, als ich hier nach Admont kam und die große Bibliothek gesehen habe. Aber das war mein so allererster Zugang.

Michael Braunsteiner

Mir fällt jetzt erst auf, wie ich zum Sammeln begonnen habe. Die Erinnerung steigt bei diesen Erzählungen auf. Da fällt mir ein, dass ich durch eine Zwangsbeglückung zu einer Merklin- Eisenbahn gekommen bin, kenn ich aus Erzählungen, die Merklin-Eisenbahn hat noch lange existiert. Ich hab von meinem Großvater, der ein großes Kind war in dieser Beziehung, eine Merklin-Eisenbahn geschenkt bekommen, völlig kompliziert, Dampflokomotive, Weichen … Also so hat das Sammeln eigentlich ohne mein Zutun begonnen. Der Großvater hat gespielt damit, mir hat´s gehört; aber ich war der Besitzer sozusagen in meinem Kinderzimmer, dieser gar nicht zu mir passenden Sammlungsobjekte in diesem Fall. Naja, dann hat es auch diese Matchboxautos in weiterer Folge, wenn ich dann die Zeit überspringe, Kronenkorken und alles, wie ich schon gesagt hab am Vormittag (beim Interview Radio freequenns): Als Kind, hatte ich den Eindruck, man beginnt mit allem möglichen aus Leidenschaft heraus zu sammeln, und die Leidenschaft verpufft sehr schnell, und dann hat es auch diese Klebehefte gegeben, alles Mögliche, es waren alles sehr unbeständige Sammlungstätigkeiten und wirklich begonnen hat´s dann eben auch, wie ich ungefähr 13 Jahre alt war; 12 bis 13, da hab ich immer mehr Begehrlichkeiten eben nach einem Weltempfänger entwickelt und bin leidenschaftlich gerne Schwammerln sammeln gegangen, das mach ich heute noch, und hab diese Schwammerln gesucht in einem obersteirischen Bergbauernhof, wo wir ein Monat jeden Sommer verbrachten, und im Winter noch einmal, ohne Strom und alles; mit dem Schwammerlsuchen hab ich diesen ersten Weltempfänger verdient. War genau im Jahr 1971, ja, da war ich 12, da hat der Weltempfänger 1.500 Schilling gekostet, das ist für ein Kind damals wirklich viel Geld. Da kommt die Leidenschaft für Weltempfänger aus dieser Zeit her, die ich heute noch weiter betreibe, wobei ich niemals würde von einer Sammlung sprechen oder sprechen kann, also für Eigengebrauch nutzen; wie gesagt ist das mein Hobby so nebenbei. Also, mit der Kunst hat es erst sehr viel später begonnen. Ich konnte es mir auch in keinster Weise leisten. Im Zuge meines Kunstgeschichte-Studiums und das der Germanistik habe ich bei Antiquitätenhändlern gearbeitet, bei Kunsthändlern gearbeitet, und da so das eine oder andere Stückerl so um 50, 100 Schilling erworben und im Zuge dessen, bei meiner weiteren Tätigkeit dann, auch eben aktuelle Kunst, aber in einem ganz bescheidenen Rahmen.

Thomas Mark

So als Kind, kann ich mich erinnern, hab ich eigentlich nur Gegenstände zerstört, mit meinen beiden linken Händen, und ich hab also faktisch dadurch auch nicht sammeln können, weil sich nichts lange gehalten hat. Später dann, als heranwachsender Jugendlicher, natürlich die Welt der Schundheftln, den Prinz Eisenherz hat es damals gegeben. Das war damals noch zum Beispiel beim Bäcker zu kaufen, mit dem Kaugummi. Mein Vater hat gemeint, das wäre nicht die adäquate Literatur, so habe ich es vergraben, in einem Plastiksackerl im nächsten Garten. Und hier in Admont dann, habe ich auch gesammelt, habe also ab der 5. Klasse jeweils jedes Jahr einen Nachrufer in Mathematik gehabt, und das hat mir dann der gütige Herr Professor bald zusammen wahrscheinlich mit dem wohlwollenden Gespräch, das vorher der Abt Kolomann Holzinger meistens mit ihm also geführt hat, weil ich war Kantor und er hat sich an meinem schönen Gesang erfreuen können, bin ich halt so bis zur Matura gekommen, ohne dass ich eine Klasse wiederholen musste. In der 7. Klasse kann ich mich erinnern: ich habe nicht so wie Herr Architekt Eisenköck Fähigkeiten gehabt, wo ich was eintauschen könnte, eben, ich konnte nicht zeichnen und ich kann´s bis heute nicht. Aber es ist so: Ich hatte da einen Druck von Picasso, eine junge Frau in der Dekonstruktion, das hat mir sehr sehr gefallen. Wir durften ja nichts aufhängen, im Stift und in den Tagräumen, also Bilder aus Zeitschriften von jungen Frauen, und habe mir dann geholfen eben mit dieser jungen Frau von Picasso und konnte so in den Tag hinein träumen. Ich bin relativ spät zum Kunstsammeln gekommen. Ich bin dann, eben, musste das elterliche Unternehmen übernehmen mit der Krankheit meines Vaters, und hab dann meine Frau kennengelernt während meines Studiums in Graz, und die hat mich in die Museen gebracht. Wir haben uns sehr viele Ausstellungen angeschaut, und irgendwann ist dann einfach einmal der Wunsch gekommen, nicht nur die Sachen anzuschauen, sondern auch einmal etwas zu besitzen und sich daran auch zu Hause zu erfreuen. Und so hat es also bei mir begonnen. Ich kann mich erinnern: Ich hab gekannt einen guten Kunsterzieher, den Walter Köstenbauer vom Akademischen Gymnasium, der hat mich in die Kunstgeschichte eingeführt und hat mir dann auch seinen damaligen Lehrer, den Hannes Schwarz, vorgestellt, und deswegen auch mein Nahverhältnis. Ich hab den Hannes Schwarz dann besucht und hab unglaublich viel von ihm gelernt, und dann war´s dahin mit mir, dann hat nur mehr die Kunst, die Kunst das entscheidende in meinem Leben sein können und ist es auch bis heute. Ich bin kein Unternehmer mehr und hab mich ganz der Kunst zugewandt.

Michael Maier

Ja also, ich muss gestehen, in Abwandlung von Shakespeare, „Wehe dem, der lügt . . .“  ich sammle nicht! Und kann daher dahingehend nichts berichten.

Thomas Hein

Nach dieser kurzen Vorstellungsrunde der ersten Leidenschaften von den Küssen bis zu den Matchboxautos, möchte ich auf unser heutiges Gespräch eingehen. Es ist nicht das erste Gespräch über das Sammeln, sondern es hat zuvor schon zwei kleine, private intime Salongespräche gegeben, mit dem P. Winfried als Gastgeber, in Frauenberg, und Barbara Eisner als Initiatorin und Moderatorin, wo einige aus der Runde dabei waren, aber eher im kleinen Rahmen. Dieses Gespräch geht heute in die Öffentlichkeit, das Feld ist sehr weit. Also wenn ich auf unser Podium schaue: an und für sich, zumeist sind die Positionen verteilt, der eine ist Sammler, der eine ist Künstler, dann gibt es noch Kuratoren, dann  gibt es unter Umständen Politiker, die auch Entscheidungen treffen, über Geldsummen, die für Kunst und für Museen und anderes ausgegeben werden. Bei uns am Tisch ist es vermischt. Es gibt Künstler, die sind auch Sammler- und das andere, was wir heute im Vormittagsgespräch schon kurz angedacht haben, es geht einerseits um das Kunstwerk – und andererseits geht´s um diese Beziehung. Und speziell Admont ist da ja ein gutes Beispiel. Mit dem initiierten Reigen des MADE FOR ADMONT, dass Werke nicht einfach auf dem Kunstmarkt gekauft werden, sondern das passt zu der Sammlung, das passt in die Richtung, die wir vorhaben, sondern: es wird mit dem Ort gearbeitet, im Ort, wie wir schon gesehen haben, im Stift und auch für den Ort, also eine spezielle Sammlung erstellt; das andere kann man vielleicht auch subsumieren unter dem Begriff einer Sammlung, verschiedene Kunstwerke in Beziehung setzen, zusammentragen und zu einem Gesamten führen. Das Wort Sammlung kommt auch von gesamt, also etwas, was verstreut war wieder zusammenzubringen. Ich möchte zuerst zu meiner rechten Seite die beiden Künstler fragen, wie sie sich in diesen beiden Positionen sehen als Künstler und Sammler, ob das sozusagen eins ist, oder kennen einfach die andere Position besser, also sie steht sich nicht gegenüber, sozusagen sie verbinden etwas, wo der Sammler einer fremde Person gegenüber steht. Bei euch ist das, glaub ich, die gleiche Person.

Kurt Ryslavy

Ja, wir sind vielleicht öfters gespaltene Persönlichkeiten, Künstler vielleicht noch öfter. Aber bei mir ist es so, dass ich in Brüssel eine vollkommene bürgerliche Existenz führe, den Bürgermeister treff, und als anerkannter Gewerbetreibender gelte, und deswegen auch eine Kunstsammlung hab. Also ich führe sozusagen die Sammlung wie eine bürgerliche Existenz spazieren. Natürlich ist da auch eine Leidenschaft dabei, weil ich keinen Scheiß kauf. Ich kauf Kunst, die mich fasziniert, und ich kann mir das leisten, weil ich eben diese gespaltene Persönlichkeit hab!

Rudi Molacek

Ich war ja vorher Sammler, bevor ich Künstler wurde, habe als Fotograf gearbeitet, und dann durch die Freundschaft mit Künstlern, wurde ich auch ermutigt diesen Weg zu gehen. Das Nachempfinden, das war sehr interessant zu sehen, denn Künstler sehen ja, wenn sie die Arbeiten anderer Künstler sehen, sehen sie eigentlich sofort, wie das funktioniert: Ist die gut, oder funktioniert sie nicht, die Arbeit. Und das hab ich im Kreis der Freunde gelernt, ich hab zugesehen, wie die gearbeitet haben, ich bin stundenlang im Atelier herumgesessen, hab gesehen, wie die Gedankengänge gingen. Und so hab ich auch eigentlich gelernt, Künstler zu sein, so von vornherein dieses Gefühl zu kriegen, jetzt geht es. Und es gibt irgendwann einen Punkt, wo es knackt, und dann ist die Arbeit da. Und das ist eigentlich dann, die Möglichkeit zu sehen, o.k., zum Sammeln zum Beispiel, ja mir gefällt das, das ist aber gut, und dann spürt man schon: das ist gut. Das hat trotzdem 5, 6, 7 Jahre gedauert, bis ich kapiert habe, was ein gutes Bild ist, und war ja auch  immer dabei, und ich wurde wirklich betreut von diesen Freunden, die ich hatte damals, aber so das Sammeln war dann aber auch eher eine Idee für mich. Ich war in Amerika, ich kam zurück, hatte die Professur an der Angewandten und bin immer mehr in diesen Kreis gekommen. Ich wollte eigentlich immer mehr wissen. Dieses Gefühl des Wissens. Je mehr ich gelernt hab, desto mehr wollte ich. Mehr wissen, und wollte wieder andere Arbeiten haben, und kaum hatte ich die eine Arbeit, wollte ich die nächste haben. Aber grundsätzlich ist diese gespaltene Persönlichkeit, die ist eigentlich egal, jetzt sammle ich Teppiche. Das Gefühl ist ja da, die Sinnlichkeit, die Haptik hat man und: Ich glaub das ist kein Problem, also Sammler und Künstler zu sein.

Thomas Hein

Ich glaub ich möcht dann an dich (Hinwendung zu Hermann Eisenköck) die Frage stellen. Als Architekt bist du der Künstler des Bauens, Bauingenieure sind die Künstler, die Architekten sind die Künstler. Das heißt, die geben dem Gebäude die Form. Du hast erwähnt: Kunst am Bau, und jetzt: Kunst im öffentlichen Raum. Ist es für dich auch diese Nähe, die du schon von diesem Beruf her hast, zu dem Künstler sein? Dass das faktisch auch ident ist wie bei den beiden Vorrednern, dass das für dich eigentlich ganz klar ist, mehr der Sammler zu sein, weil man die Position des Künstlers kennt. Auch wenn er im Berufsfeld bei dir aufgetreten ist, faktisch du kennst seine Arbeitsweise, und kannst dich auch als Sammler sehr gut hinein versetzen, auch in Beziehung zu diesen Künstlern.

Hermann Eisenköck

Also ich war immer ein bissl schockiert, über das Verhältnis der Architekten zur Kunst im allgemeinen, oder ganz im speziellen: Also mein langjähriger Partner – obwohl er wirklich in der österreichischen Kunstszene sehr verankert war – er hat wirklich auch die wesentlichen Künstler gekannt, viele die wir heute schon gesehen haben, auch persönlich gekannt, aber in seiner persönlichen Haltung hat er immer gesagt: I brauch ka Kunst, i mach ma mei Kunst selber. Ja und das ist für mich a bissl erschreckend gewesen. Mich hat´s nicht geschreckt, hab schon gewusst, wie er es meint, aber wenn ich heute schaue: Ich war lange in Kunstbeiräten, „Kunst am Bau“ Beirat. Da sind halt die Kollegen aufgetaucht, mussten präsentieren, wo sie sich was für eine Intervention vorstellen können, welche Künstler und so weiter, ja es war erschreckend: Das tiefe Niveau des Wissens der Kollegenschaft über aktuelle Kunstentwicklungen, Künstler haben sie keine gekannt, oder irgendwelche Kitschisten. Es war wirklich arg, muss i ganz ehrlich sagen. Und das zieht sich durch. Ich komme ja auch immer wieder in Ateliers der Kollegen, oder auch in ihre Privaträume. Und es hat mich schon etwas enttäuscht, oder es enttäuscht mich, ja, dass so wenige Kollegen sich wirklich auch mit dem Thema zeitgenössische Kunst auseinandersetzen, also ich würde halt sagen von 100 sind es vielleicht 2 bis 3. Und das ist eigentlich etwas, ja, beschämend für unseren Berufszweig, muss ich leider ganz ehrlich sagen. Und wenn ich da und dort in Museen bin, oder bei Veranstaltungen bin und – – – Vernissagen meide ich meistens, aber trotzdem, ab und zu ist man dort, man sieht mehr Ärzte, mehr Zahnärzte als Kollegen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Gut, das ist vielleicht eine etwas kritische Nebenbemerkung gewesen, i sag mir, ich hab da keine Berührungsängste. Ich hab es immer spannend gefunden, dass man Künstler am Bau schon relativ früh einbezieht. Ich kann mich erinnern, ich hab 4 Jahre lang mit Jannis Kounellis gearbeitet, auf der Universität, und nach 4 Jahren hat er alles weggeschmissen, was er bis dorthin gehabt hat und wir haben dann gemeinsam – – – mit Kounellis war es wirklich ein gemeinsames Arbeiten, weil ich musste alle Dinge, die er für seine Arbeit brauchte, auftreiben. Sind auch große Arbeiten gewesen, das war teilweise wirklich spannend und lustig. Es ist für mich immer interessant gewesen, was kommt dann für ein Ergebnis raus, wie reagiert er denn, wie reagiert ein Künstler auf die Architektur. Also ich hab das hochspannend empfunden, ich hab nie den Ansatz gehabt zu sagen,  meine Architektur darf nicht mit irgendetwas überlagert werden, darf kein anderes, ja,es gibt sogar Kollegen, die halten nicht einmal ein Möbel aus von einem anderen Architekten. Drum werden so oft Baustellen fotografiert, oder halbfertige Baustellen.

Thomas Hein

Danke. Ich möchte den Thomas Mark fragen, auch nach deiner eigenen Geschichte, du hast ja nicht als Galerist in Wien und in Spital am Pyhrn begonnen, sondern du hast zuerst eine, wie du mir erzählt hast, eine Beziehung zur Kunst aufgebaut, zu Künstlern. Gelernt, wenn du so willst, und hast dazu sozusagen den ersten Einstieg in eine Fördergalerie gehabt. Wie war der Einstieg zu diesem Wechsel zum Galeristen. Ich sag es jetzt einmal unter Anführungszeichen: Die Galerie als erstes Schaufenster auch für nicht so bekannte, die schon im Museum hängen, aber auch sozusagen als, unter Gänsefüßchen, Zulieferer zum Kunstbetrieb, sozusagen die Verbindung zwischen den  Künstlern und den Museen, der Sammlung.

Kurt Ryslavy

Eine kleine Frage: Was ist eine Fördergalerie?

Thomas Mark

Ja also, es ist bei mir so gewesen, ich hab viele Künstler kennengelernt und ich durfte unglaublich viel zusammen mit meiner Frau lernen bei diesen Künstlern. Sie haben mir eben nicht nur ihr Werk vorgestellt, sondern haben die Werke von ihnen und von den Kollegen auch in den richtigen kunsthistorischen Zusammenhang gestellt, und es war einfach hochspannend, die Leute selber zu kennen, die eben sozusagen Kunstproduzenten sind. Auch diese Sensibilität zu haben ,und als Künstler tätig zu sein, und auch erfolgreich tätig zu sein, und irgendwann natürlich: Man diskutiert die Arbeiten, man sagt, dass man das gut findet und dass man das vielleicht auch anders sieht, konstruktive Kritik. Aber irgendwann kommt es dazu, dass man sagt: Ja, ich hab soviel von dir profitiert und hab so viel gelernt dabei, ich möchte dir auch meine Anerkennung zeigen und ich möchte etwas kaufen. Das ist sozusagen auch oft der erste Einstieg in die Sammlung. Und auf der anderen Seite war ich in vielen, vielen Künstlerateliers. Es hat mich immer interessiert, es ist auch heute noch so in Wien. In den ersten 5 Jahren hab ich 400 Ateliers besucht, die meisten sind ja oben im 6. / 7. Stock wegen des guten Lichtes, in Häusern ohne Lift, und konnte dann oft nicht einmal Guten Morgen sagen, so war ich ausgepumpt. Aber es war einfach ein tolles Ergebnis zu sehen, welche guten Künstler es gibt, die weit weg von Marktmoden qualitativ Hochstehendes produzieren, und das war mir dann schon ein Anliegen auch manchmal zu motivieren. Manchmal eben auch die Möglichkeit zu geben, etwas zu zeigen. Und es waren gerade diese Leute, die ich nicht aus dem Kunstmarkt kannte, die ich nicht in den Museumsausstellungen gesehen habe, sondern die ich eben in den Ateliers kennenlernen durfte, die ich ein bisschen fördern wollte. Und ich hab mit meinem Bruder zusammen in Spital am Pyhrn ein Unternehmen gehabt, und wir haben dann gesagt: Da ist ein altes Jugendstilgebäude, und das Gebäude wäre eigentlich frei, das war vorher vermietet, eine Schuhmacherwerkstätte war da drinnen, und der Schuhmacher ist ins Altenheim gezogen. Und haben gesagt, jetzt können wir junge Kunst dort ausstellen, junge Kunst fördern, aber auch qualitativ gute Kunst, die z. B. also von Künstlern gemacht wird, die eben nicht in den Seitenblicken vorkommen, die sehr zurückgezogen leben, die einfach qualitativ an sich und an ihrer Botschaft arbeiten. Und das war eigentlich ein ziemlich großartiger Erfolg, weil zwischen Linz und Graz hat es damals keine Galerie gegeben. Wir feiern nächstes Jahr das 25-jährige Jubiläum, damals hat die Galerie noch nicht „artmark“ geheißen, sondern „Galerie an der Fabrik“. Und es waren immer viele Leute, weniger aus dem Ort selbst, sondern im Einzugsgebiet Admont, Schladming, Kirchdorf an der Krems, und wir haben dann auch Konzerte und Lesungen veranstaltet. Und es war ein ganz tolles Erlebnis, nicht nur für mich selbst, sondern auch für viele Besucher, die heute noch sagen: Ich hab eigentlich mit dir den Einstieg in die Kunst gefunden. Und den Einstieg muss man vermitteln.

Thomas Hein

Ganz kurz, kannst du die Frage beantworten: Fördergalerie was versteht man? Soweit ich das weiß, wo es nicht um Verkauf geht, sondern um Präsentation?

Thomas Mark

Mein Bruder und ich, wir haben die Räume zur Verfügung gestellt, wir haben die Plakate drucken lassen, wir haben unter Umständen einen Katalog gemacht und haben so versucht, dem Künstler das nötige Rüstzeug zu geben, dass er gesehen wird und damit er auch mit einem Katalog sozusagen dann in andere Galerien gehen kann.

Kurt Ryslavy

Ist sozusagen eine Galerie, die vom Land finanziert wird oder von privater Seite?

Thomas Mark

Nein, nein, das ist von privater Seite gewesen.

Kurt Ryslavy

Kann man das steuerlich abschreiben, wenn man privat jetzt eine Fördergalerie aufmacht und Künstler ausstellt, ohne daran zu verdienen?

Thomas Mark

Also ich habe es nach einigen Jahren geschafft, dass es akzeptiert wurde, bei einer Hauptbesprechung konnte ich es dann so durch argumentieren, und ich durfte die Kosten dafür dann auch absetzen.

Kurt Ryslavy

Das ist ja was sehr Interessantes. Das sollte man vielleicht publik machen. So was regt vielleicht an, dass sich Leute für Kunst interessieren können, wenn sie es auch im Betrieb integrieren können.

Thomas Hein

Der Umstieg auf die Kunst, als Galerist sozusagen: War das eine natürliche Entwicklung von dieser Fördergalerie auch mit einem Ausstieg aus dem Unternehmen, sozusagen der Traum? Es gibt auch einige andere Sammler, die gesagt haben, wir haben in unserem Beruf so viel Geld, aber eigentlich ist das auch nicht der Reiz, dort weiter zu arbeiten. Diese Beziehung zu den Künstlern und zur Kunst ist bei dir so stark, dass das sozusagen der letzte, nächste Lebensabschnitt ist, für dich geworden ist. War das für dich auch folglich, dass das so kommen musste?

Thomas Mark

Also ganz sicher! Ich hab einfach gespürt, wo meine Berufung liegt. Ich war nicht unerfolgreich. Hab 25 Jahre das Unternehmen geleitet und geführt. Und es hat mir natürlich auch in die Hände gespielt: ich bin kein Techniker, wir sind immer stärker in die Automobilindustrie vorgerückt, ich war für den Verkauf verantwortlich, und konnte dann auch nicht mehr mitentwickeln – ich hatte nicht die Zeit etwas zu lesen, also ich hab mich nur mehr mit Fachzeitschriften state of the art gehalten. Und das war dann irgendwann einmal vorgezeichnet, ich hab zu meinem Bruder gesagt: Du, ich möchte in 4 Jahren – wir haben das gut geplant – möchte ich aussteigen, vielleicht können wir mit den Investitionen zurückfahren, damit die Banken hier mitspielen, wenn du willst, suche dir einen Partner, oder du kannst es auch alleine übernehmen. Er hat sich zuerst einen Partner gesucht, und in der Zwischenzeit führt er das Unternehmen auch wieder alleine. Und ich also, ich wollte den Weg gehen, habe ihn geplant und bin ihn gegangen. Und ich muss sagen: Ich hab noch keinen einzigen Tag bereut, dass ich das gemacht hab!

Thomas Hein

Ich möchte in der nächsten Runde den Ball weiterspielen. Von Künstler und Sammler, über die Sammler, Galeristen. Kommen wir langsam zur Sammlung und zum Museum. Das Museum, Admont speziell, ist gleichzeitig die Sammlung für zeitgenössische Kunst, ist etwas anderes, ist ein Privatmuseum. Die Diskussion auch, wie es in diesem großen Band Thema Sammler (Kunstforum International, Gespräche mit Sammlern. Band 214, 2012) heißt, dass sich die öffentliche Hand immer mehr von der Kunst verabschiedet, weil die Gelder zurückgefahren werden und weil es Sammler gibt, die Bilder zur Verfügung stellen. In Admont liegt es  dazwischen, ist es zwischen dem Ankaufen, und wie dieses Jahr die Sammler einbezogen werden, die schon als Künstler gearbeitet haben, ist das sozusagen der Weg, den nicht nur Admont, sondern auch andere Museen gehen werden? Ein Weg, der diesen Druck vom Markt nimmt, der sich wirklich um die Kunst kümmert. Es werden Künstler, die noch nicht oder nicht in den Hochpreisen gehandelt werden, sondern junge Künstler, Künstler die interessante Kunst machen, die zur Sammlung passt und zum Museum passt, gesammelt. Ist das ein Weg abseits dieses high financials in den großen Museen?

Michael Braunsteiner

Wir bemerken, dass es solche Tendenzen gibt. Ob das jetzt wirklich ein Weg ist, der gerade in Krisenzeiten wie diesen, konsequent gegangen wird, das sei jetzt einmal dahingestellt. Ich kann eigentlich da nur für Admont sagen, dass wir sehr wohl bei eigenen Aktivitäten bemerken, dass andere langsam auch aufspringen. Besonders hervorzuheben darf ich den Gedanken, der hier von P. Winfried entwickelt wurde, dass wir hier in der Konzeption des Museums vorhatten, das gesamte neue Museum inklusive Stiftsbibliothek blinden Menschen zugänglich zu machen. Und da merken wir, dass wir mit diesem Weg richtig gelegen sind, weil: P. Winfried hat mich vor kurzem drauf aufmerksam gemacht und verständigt darüber, dass jetzt eigentlich andere Häuser, wie das Kunsthistorische Museum in Wien, genau versuchen diesen Weg zu gehen. Dass sie Teile ihrer Sammlung blinden Menschen zugänglich machen wollen und ich glaub, dass wir, wenn ich jetzt hier in Admont bleibe, mit einer Sache wirklich einen zukunftssicheren Fokus oder zukunftssicheren Weg gehen. Dass ist der Fall innerhalb der MADE FOR ADMONT-Schiene, der „Jenseits des Sehens“-Schiene, wo wir nächstes Jahr 10 Jahre Rückblick zeigen werden: 10 Jahre spezifisch für blinde Menschen konzipierte Kunst, die auch für Sehende Zugänge schafft, die nicht gewöhnlich sind, die spielerische Zugänge schafft und zu einem ernsten Thema führt. Und diese Sammlung „Jenseits des Sehens“, die sich hier im Aufbau befindet und wo wir jetzt gerade in Verhandlung sind mit ungefähr 10  bis 12 Künstler derzeit, die mir gerade Vorschläge schicken, einige sind schon gekommen, um diese Sammlung zu erweitern. Die wird doch nächstes Jahr eine Dimension erreichen mit gut und gern 25 Werken, innerhalb von 10 Jahren, die weltweit einzigartig ist. Welchen Weg  jetzt andere da gehen, das sei vielleicht weiterhin in Diskussion gestellt, ich kann nur sagen, dass dieser Fokus unserer Sammlung aus dem heraus, dass wir gesagt haben, wir sammeln österreichische Gegenwartskunst der mittleren Generation und der jüngeren Generation, mittlerweile sehr stark in diese Richtung geht. Und dass wir sehr klar wissen, was wir wollen, und dass diese MADE FOR ADMONT-Schiene sowieso das ist, wo es klipp und klar weitergehen wird, und dass wir sagen: Die Sammlung – ist auch wichtig einmal gesagt zu werden – die Sammlung, wie sie bisher aufgebaut wurde, gilt sozusagen als abgeschlossen und sie wird nur mehr ergänzend erweitert und diese Linie MADE FOR ADMONT wird klar weiter verfolgt. Vielleicht möchtest du auch noch was dazu sagen? (wendet sich zu P. Winfried Schwab)

P. Winfried Schwab

Wenn ich einen ganz kleinen Rückgriff ins Theologiestudium noch  machen darf, und dann komm ich auch noch mal auf das zurück, was der Herr Architekt Eisenköck gesagt hat. In der Theologie macht man nämlich eine sehr ähnliche Erfahrung. Wir werden als Priester einmal auf Pfarrkirchen losgelassen, wo unendliche Werte drin stecken. Und in der Ausbildung wird dort überhaupt keinen Wert darauf gelegt, uns den Umgang damit zu lehren. Das heißt, die wenigsten Theologiestudenten kommen mal mit Fächern wie Kunstgeschichte in Berührung oder haben ganz und gar mal die Gelegenheit vom Studium her, von der Ausbildung her, mit zeitgenössischen Künstlern ins Gespräch zu kommen. Ich sage das vor dem Hintergrund, weil die Kirche gerade da eigentlich eine ganz große Aufgabe, erstmals des Bewahrens hat, aber zweitens natürlich des weiter Führens. Und wenn man nicht rechtzeitig oder früh herangeführt wird, dann passieren eben solche Dinge, dass man mit Kunstschätzen grob umgeht und nicht wirklich weiß, was man da in den Händen hält. Und das geht auch in der Gegenwart weiter. Nur weil das Stift Admont jetzt eine solche Sammlung hat, muss man natürlich nicht glauben, dass alle Mitbrüder oder alle Benediktiner Österreichs oder wie auch immer, alle Priester der Steiermark, jetzt einen begeisterten Zugang zur zeitgenössischen Kunst hätten – ich kann, glaub ich, was die Diözese betrifft, jetzt ein paar Namen nennen, da kommt man vielleicht auf ein halbes Dutzend und dann wird die Luft schon eng. Und deswegen ist das für uns eine ganz spannende Gelegenheit hier gewesen, mit diesem Museum und mit dieser Sammlung zeitgenössischer Kunst, die entsteht, wirklich auch in einen Dialog mit Künstlern zu kommen. Das ist für uns ein vollkommen neues Erfahrungsfeld gewesen: Künstler hier vor Ort zu haben, mit denen einfach mal reden zu können. Und da geht´s noch gar nicht so sehr um die hohe Kunst, sondern wirklich um das ganz persönliche Gespräch mit den Künstlern selber, und das ist etwas, was natürlich sehr beeindruckend für uns gewesen ist, und da kann ich für meine Mitbrüder genauso sprechen. Unsere Sammlungen sind ja, um das gleich nochmal vorwegzunehmen, nicht mit Kirchensteuermitteln finanziert, sondern: Das ist tatsächlich das Engagement des Stiftes Admont, aus den eigenen erwirtschafteten Erträgen der Betriebe ist dieses Projekt zeitgenössische Kunst entstanden. Da steckt kein Cent an Kirchensteuermítteln drinnen. Und das gibt auch vielleicht eine  Linie nochmal vor, was eigentlich unsere Intention war: Es geht jetzt hier nicht ums Dokumentieren, wie staatliche Museen das vielleicht tun und tun müssen, sondern es geht jetzt wirklich zuallererst mal um das Gespräch  mit Künstlern, soweit das möglich ist. Aber eben auch darum vielleicht die Tür etwas zu öffnen, selber ein klein wenig dazu beizutragen, dass zeitgenössische Kunst von anderen erfahren werden kann. Es ist für viele überraschend, wenn sie hierher nach Admont kommen, machen die Tür auf, die Bibliothek kennt man von Bildern, und plötzlich steht man in einer Abteilung mit lauter Bildern und Arbeiten, wo viele Leute sagen: Was soll die Schmiererei hier, warum zahlt die Kirche für so eine Schmiererei Geld? Und da kommt eine ganz spannende Diskussion mit den Besuchern heraus.

Thomas Hein

Ich möchte da kurz anhängen: Und zwar das eine, was der Michael gesagt hat, die Sammlungen die jetzt ergänzt werden, und möchte mich auf der anderen Seite an die Sammler wenden, einerseits wie sie das spüren diese Ausstellung der Sammler in der Sammlung, und auch, wie sie ihre eigene Sammlung sehen. Also einerseits geht es um die Präsentation, wie das jetzt im ganz großen Stil von Sammlern, die auch Gebäude bauen und bauen lassen, um ihre Sammlungen zu präsentieren. Ist für euch das ein Schritt heraus aus dem, was man täglich um sich hat, oder auch das Gefühl, man möchte das auch nicht nur denen zeigen, die man kennt, sondern auch einer Öffentlichkeit, also nimmt eine Verantwortung als Sammler für die Künstler, auch die die in dieser Sammlung sind, an?

Hermann Eisenköck

Das ist immer ein bissl schwierig und gefährlich. Und zwar, ich glaub ich kann mich erinnern, vor nicht allzu langer Zeit, wie mühsam das war, für die Sammlung eines Künstlers, im gegenständlichen Fall war es der Bruno Gironcoli, für solche Sammlungen Heimstätten zu finden. Das ist wahnsinnig schwierig. Und das war eigentlich eher ein Zufall, dass man gerade zur richtigen Zeit vielleicht die richtigen Leute so unter Druck setzen konnte, unter vorsichtigen Druck setzen konnte, dass man Gelder zusammenbringt, dann diese hardware, die um eine Sammlung herum gehört, sprich Häuser, dass man die schafft. Damals waren zufällig Schüssel, Klasnic, und noch jemand war dabei, und der Herr Breisach, der hier in diesem Umfeld auch immer wieder genannt wurde, und ich hab da moderiert, und anlässlich einer Eröffnung in einer anderen Sache, und wir haben dann zufällig innerhalb von 2 Stunden 3 Millionen Euro beieinander gehabt. Das ist aber eher ein Zufall. Es war auch eine gewisse Notwendigkeit. Man wollte den Gironcoli als Emeritierten endlich aus dem Staatsatelier los haben, mit seinen gigantischen Arbeiten. Aber auch was anderes, ähnliches: mit der Maria Lassnig. 2 ½ Jahre, gut ich muss auch dazusagen, Kärnten, Haider. Haider hat den Herrn Gironcoli jahrelang ein Museum versprochen und die Beamten waren heil froh, Haider hat das ja nur aus politischen Gründen gemacht: Er tut was für die zeitgenössische Kunst hat er gesagt, er macht´s für die Lassnig, und macht´s für Domenig auch. Gemacht hat er nichts. Er wollte sich auch bei den Künstlern in irgendeiner Form beliebt machen. Aber gegenständlich bei Maria Lassnig: Beim Kulturstadtrat der Stadt Wien, Mailath-Pokorny, hab ich es jahrelang versucht, ich hab gesagt: Du, die Maria Lassnig hat einen phantastischen Nachlass, die Chance ist jetzt da, dass die Gemeinde Wien diesen Nachlass bekommen könnte, wenn sie eine entsprechende Immobilie oder eine entsprechende Kuratorenschaft zur Verfügung stellt. Nach 1 ½ Jahren war der Mailath-Pokorny so was von glücklich, wie ich zu ihm gesagt hab: Er soll das Thema vergessen, ja, er war so froh: Ma, jetzt hab i die Lassnig endlich los! Es ist schon nicht ganz einfach, was man mit so Sammlungen machen soll … Also bei mir, bei uns, ist es kein großes Problem: Wir haben vier Kinder, wenn sie die Sammlung nicht wollen, sollen sie sie verkaufen. Wir haben in Graz, Steiermark einige Familien gehabt, wo die Sammlung, wirklich eine bedeutende Sammlung, auch zurückgehend auf Hauptwerke von Schiele und Klimt, Herzl usw., die wurde dann halt, weil sich auch niemand im Lande bereit erklärt hat, der Sammlung eine Unterkunft zu geben, auf vier Töchter aufgeteilt. Ist zwischenzeitlich in die ganze Welt verkauft. Nicht so mit dem Wahnsinnigen aus Wien, der Herr Leopold war ein Wahnsinniger, der hat sie dann verkaufen müssen, weil er 600 Millionen Schaden, Schulden gehabt hat, Schillinge Gott sei Dank noch, und die Republik Österreich hat dann für wohlfeile, ich glaub auf Sicht gesehen mit Stiftungskapital etwas mehr als die 600 Millionen, eine Sammlung bekommen, wo teilweise Einzelbilder heute schon diese Werte darstellen. Gut, das sind Sonderfälle. Es ist schon oft ein Thema, das: Wie geht so was weiter? Wie wird so was weitergetragen? Oft gibt´s in den Familien einfach keine Interessen, Interessenten, wird’s verkauft oder versteigert, und es ist teilweise schade. Es ist auch irgendwie einzusehen, denn wenn der Staat oder die öffentlichen Stellen alle diese Sammlungen übernehmen müssten … Wir haben heute schon Museen, die gerammelt voll sind mit Teilen von Sammlungen oder Sammlungen. Es ist ja nicht ganz einfach, wie man wirklich verfahren soll.

Rudi Molacek

Natürlich mit den Arbeiten, die man von, grad als Künstler, von anderen Künstlern nimmt, da möchte man natürlich schon in irgendeiner Weise Vorsicht walten lassen und sehen, dass sie in gute Hände kommen, dass sie gut aufgehoben sind. Also ich hatte ein Glück, dass ein Teil meiner Sammlung in der Neuen Galerie war, und auch dort eben gut aufbewahrt war. Also bei meiner Mutter ist alles voll. Ich lebe auch mit ziemlich vielen Dingen herum. Und dann sind immer noch Arbeiten da, die einfach gestapelt sind: So ist es eben. Und was man eigentlich gerade sehen soll, das ist schon: Also wenn ich nicht selbst in irgendeiner Weise, sollte Sorge tragen, dass, wenn man keine Familie hat, keine Kinder hat, wenn man die Sammlung irgendwo hingeben will, dass sie in gute Hände kommt und dass sie auf jeden Fall noch eine Zeit lebt. Und das sind die Dinge: Da denkt man nicht dran. Sie nehmen die Arbeiten, dann hat man Möglichkeiten sie zu zeigen, zum ersten  Mal, als Sammler anfangs, stellen Sie sich vor: Man kauft sie, hat sie zu Hause, hat eine Wohnung, ein kleines Atelier. Und dann kommt mehr und mehr und mehr und plötzlich kommt die Möglichkeit, sie zu zeigen. Und man sieht sie ja zum ersten Mal. Sieht zum ersten Mal, wie die Bilder so wirken an der Wand, man kann sie in den Kontext von anderen Arbeiten stellen. Und dann gerade bei so Sachen, wo man probiert – die Künstler machen das eh immer im Atelier: Nehmen die Arbeiten, hängen sie dorthin, dahin, lassen, mal weg, mal weg, schauen, ma, is das besser? Genauso ist es mit der Sammlung. Und dann spürt man plötzlich: Das kommt hervor, das passt zusammen. Das ist eigentlich die Arbeit mit der Sammlung, und damit wenn man das beginnt auch. Das tut ja auch jeder Sammler: Man hängt ja zu Hause um, o.k., vor 2 Jahren hat man das so gehabt, jetzt hängt man das um: Wie sieht das aus? Dann automatisch wird man besorgt um die Dinge. Und dann muss man halt aufpassen, wohin sie landen.

Kurt Ryslavy

Ja, ich kann nur einen kurzen Kommentar dazu geben. Es gibt in Belgien ein Sammler-Ehepaar, die heißen Anton und Annick Herbert. Die haben eine sehr wichtige Sammlung aufgebaut, die haben keine Kinder und haben auch eine Stiftung gegründet, und haben in den letzten 20 Jahren gesagt: Wir stoppen die Sammlung und wir machen nur mehr Archiv und versuchen das zu katalogisieren, weil das Ganze sonst ein Horror und ein einziges Chaos ist. Und die haben von den Architekten richtige Eisen-Archive entwerfen lassen, und wenn man dort hinkommt, kommt einmal durchs Tor so rein, an Eisenkästen vorbei, und dann kommen erst die Sammlungsräume. Das ist ein bisschen zu organisieren und zu durchdenken, ist ein eigener Job, und die haben dafür – sind schon in Pension – die Sammlertätigkeit aufgegeben, um sozusagen diese konservatorischen Leistungen zu vollbringen.

Thomas Hein

Das eine ist ja, die Sammlungen weiter zu geben, und das andere ist ja auch, dass bei den Sammlern Zusammenhänge entstehen. Sie speichern nicht nur eine Summe von Werken, sondern diese Werke stehen ja zum Sammler in einer Beziehung. Also man wählt ja aus, wie du gesagt hast (Hinwendung zu Rudi). Du nimmst Sachen: „Das passt auch dazu“. Also du setzt ja Beziehungen ab. Und die Summe der Teile ist mehr als die einzelnen Teile. Das heißt, es ist ja auch Wissen gespeichert darin, es geht ja auch faktisch um die Zusammenhänge, also wie der Architekt Eisenköck gesagt hat, die Kinder verstreuen sie dann. Dann wäre es eine temporäre Sammlung, die dann einfach versteigert wird, wie es in Auktionshäusern ist. Das will ich nicht darstellen, aber: Der Zusammenhang der Sammlung ist dann weg.

Rudi Molacek

Ja, wenn die Sammlung funktioniert, in irgendeiner Weise, und sie intus hat, dann spürt man das mit jeder neuen Arbeit: Dann verändert sich die Sammlung. Wenn man darauf eingespielt ist, spürt man das sehr deutlich. Und dann kann man sehen, o.k., dann kann ich dort sehen, kann ich mehr so oder so hin drehen. Und da kommen die Modifizierungen auch und automatisch, da wo es auch nicht so extrem, wie Kurt Ryslavy jetzt gesagt hat, wo es wirklich archiviert wird. Aber man hat schon so seine Gruppen im Kopf, und die kriegt man dann eigentlich auch zusammen. Ist auch gut so. Und so bleibt die Sammlung auch lebendig. Wenn man tauschen tut mit was anderem. Und dann kommt es eigentlich dazu, dass das Bild eigentlich sehr klar wird. Dann weiß man auch: O.k., ich muss jetzt einen Platz finden, wo kommt das hin? Was mach ich denn? Und ich natürlich, schiebe das immer vor mir her, klarerweise.

Thomas Hein

Die Frage würde ich noch ganz gern fortsetzen zu den Künstlern und Sammlern: Wie haben sie die Ausstellung empfunden dieses Jahr, nicht nur eure eigene Ausstellung präsentiert zu haben als Sammler, sondern in Zusammenhang mit den Werken aus Admont. Und Thomas – du auch: Wie in Beziehung treten mit der Sammlung, mit der zeitgenössischen Sammlung?

Thomas Mark

Es ist, glaube ich, eine ganz vornehme Aufgabe eines Sammlers, und es ist auch der Lohn des Sammlers, dass er sozusagen Ausstellungen mit seinen Arbeiten zusammenstellen darf und kann. Und so, wie bereits eben gesagt wurde: Ich nehme eine neue Arbeit dazu, und die Sammlung verändert sich. Ich hab angefangen, das zu sammeln, was mir gefällt. Und das war genau das Richtige, und hab jetzt einen gewissen Sammlungsschwerpunkt und merke wirklich, also dass es passiert, dass der Raum auf mich persönlich, wenn es richtig hängt, zum Schwingen kommt. Also ich bin oft zwei Tage grantig, weil ich weiß: Wenn ich in der Galerie eine neue Ausstellung hängen muss und ich merke, es ist noch nicht so weit. Ich glaube, eine Sammlung wirkt dann, wenn sie sozusagen trotz der vielen, individuellen Einzelteile ein Ganzes wird. Also wenn man fühlt: Das hängt sich wie eine Kette zusammen. Das kann Kontrast sein. Es können ganz ähnliche Arbeiten sein. Und ich glaube also, das spürt man. Und wenn man als Sammler seine Arbeiten so gut kennt und auch weiß, manche haben natürlich so große Sammlungsbestände, dass sie nicht wissen was sie haben. Meine Sammlung ist noch überschaubar, und ich kann mir das wirklich also heraussuchen. Das ist eine ganz spannende Aufgabe, und wie ich gesagt hab, der Lohn des Sammlers.

Thomas Hein

Wollen Sie dazu was sagen, wie das mit der Sammlung, auch jetzt speziell hier in Admont bei den „Sammlerleidenschaften“ war, mit eurer Sammlung, Kontakt mit anderen Sammlungen, und auch mit dem vom Stift Admont, mit den bisherigen Beständen in Beziehung zu treten? Ob das schwierig war, was man dafür auswählt, oder ob das sich auch gegenseitig bedingt? Oder sind das einfach Kontrapunkte, die gesetzt wurden?

Kurt Ryslavy

Für mich war das ganz amüsant. Weil meine Sammlung hier in diesem Kontext als doch sehr fremd erscheint – hab ich den Eindruck zumindest – und mich amüsiert das. Und es ist auch interessant, weil ich den Eindruck hab, hier kommt ein anderer Kulturkontext dazu. Also: Mich hat es amüsiert.

Hermann Eisenköck

Ich kann dazu relativ wenig sagen, weil ich hab es nicht ausgesucht, der Michael Braunsteiner hat ausgesucht, was er haben möchte.

Thomas Hein

Bist du zufrieden mit dem, mit der Auswahl, oder hättest du eine andere getroffen?

Hermann Eisenköck

Der hat das ganz clever gemacht. Er hat gesagt: Die großen Bilder, die bei mir im Büro oder sonst irgendwo nicht gut wirken: Er hat schönere größere Räume, da wirken sie besser. Darum hat er in erster Linie großformatige Arbeiten ausgesucht. Nein, Spaß beiseite. Es ist schon immer spannend, weil man lebt so mit den Bildern: Die hängen im Büro, Privathaus oder sonst, oder sind verpackt. Man sieht a) seine eigenen gesammelten Arbeiten wieder etwas anders, wieder mit anderen Augen und b) es ist dann spannend, wenn man da so durchgeht. Und wir haben gemeinsam gehängt. Dass man dann sieht, ma, da gibt´s auch eine spannende Arbeit, die hab ich noch nie gesehen, oder auf die wird man dann wirklich im Zuge so einer Hängung oder so einer Ausstellung fast gestoßen, und eigentlich sonst nicht auffallen würde. Es ist schon auch spannend, andere Arbeiten unter diesen doch etwas genauen Gesichtspunkten zu sehen.

Rudi Molacek

Ich hab mir gedacht, wenn die Arbeiten zusammen kommen, wenn sie gute Qualität haben, in irgendeiner Weise arrangiert, fällt das und fängt dann wirklich an zu funktionieren. Ich hatte viele meiner Arbeiten seit 20 Jahren nicht gesehen, die waren als Leihgabe vergeben, dann kamen sie zurück. Das war so ein Wiedersehen mit den Dingen. Und in Erinnerung sind sie – selbst die Größeren sind anders – und auch die Position, die man vor ihnen hat. Und mit Admont war es natürlich eine Möglichkeit, mit vier, fünf verschiedenen Positionen da einen Raum zu sehen, wie das funktioniert, wie die Kunst funktioniert. Wenn es gut ist, funktioniert es. Man muss es nur in irgendeiner Weise gut zusammen hängen. Aber noch dazu möchte ich sagen, dass Admont, glaub ich, mit diesem Weg, den sie machen, mit dem MADE FOR ADMONT, dass das der richtige Weg ist. Das ist der originale Weg: Vom Künstler zum Mäzen mit direkter Verbindung, also ohne viel dazwischen zu schalten. Ich hab das ja beobachtet in den Jahren. Sind wirklich sehr gute Positionen raus gekommen. Und die sind für ein Museum eher einzigartig. Normalerweise werden solche Sachen vielleicht einmal gemacht, legt ein Museum vielleicht eine Edition auf oder so. Aber nicht so pausenlos wie hier in Admont. Das finde ich wirklich gut.

Thomas Hein

Ich möchte jetzt langsam die Kurve kratzen zu unserem Vortrag über die Rechtsfragen. Ich möchte aber zuvor noch darauf zurückkommen, was schon angeschnitten wurde: Mit den Sammlungen, wenn sie weitergehen an Erben, dass Sammlungen an die Öffentlichkeit übergeben werden und dafür Räume brauchen. Und was auch erwähnt wurde: Die Depots, die sich füllen. Also Kunst wird produziert und braucht Platz. Wie könnt ihr euch das mit euren Werken, euren Sammlungen, vorstellen? Gibt es da Ideen, wie man das machen könnte? Oder geht es darum, dass wirklich auch Teile der Gelder – wie das der Erich Wolf gemacht hat, der ist Steuerberater und Sammler, sich selbst ein Museum gebaut hat, ein kleines – faktisch sich selbst das Museum zu bauen, wenn die Öffentlichkeit kein Geld hat, keine Räume hat, um die Sammlung zu zeigen.

Kurt Ryslavy

Ja das ist ganz einfach. Auch wenn man eine kleine Sammlung hat, oder nur eine Wohnung, ist es ganz einfach interessant, wenn man die Arbeiten wechselt wie in einem Museum. In einem Museum hängt ja auch nicht  immer das Gleiche, sondern wird auch immer wieder gewechselt und, das macht eigentlich den Reiz aus. Weil wenn man 20 Jahre immer dasselbe Bild im selben Moment sieht, da sieht man eigentlich nix mehr. Das ist ganz einfach: wechseln!

Rudi Molacek

Das muss ja nicht unbedingt ein Museum sein. Das kann ja einfach ein Raum sein. Muss es ja nicht Museum nennen. Das ist ein bisschen so Mode geworden, dass jeder sein Museum haben muss. Ich bin der Meinung, nach einer gewissen  Zeit kann man sich auch trennen davon, kann ja auch reduzieren, man behält sich die Dinge, die einem wirklich ans Herz gewachsen sind, persönlich sind. Und den Rest entlässt man auch wieder in eine Position, in eine Möglichkeit, wo sie auch gut aufgehoben sind, und das finde ich auch eine Möglichkeit. Es hat ja keinen Sinn, als Künstler hat man ja so und so nicht soviel Zeit, sich mit Sammlungen zu beschäftigen, aber . . .

Thomas Hein

. . . heißt das, mit entlassen, auch Schenkungen an . . .

Rudi Molacek

Im Grunde genommen, muss man genau sehen, wo es hingeht und wo das dann auch weiter leben kann. Also das ist ja auch so: Früher haben die Fürsten die Bilder auch im Sommer in die Sonne gehängt. Damit sie sich wieder aufladen. Das muss raus in die Sonne, das muss also angesehen werden. Das ist wie jemand, der bewundert wird. Da leben die Bilder, da sind sie wieder schön, sind sie wieder lebendig und das find ich, ist das Wichtigste, dass sie in irgendeiner Form, ob sich jetzt irgendeiner leisten kann, einen Raum zu machen, ob er einmal in der Woche alles umhängt, aber sie müssen einfach wieder zum Leben erweckt werden.

Hermann Eisenköck

Das wichtigste für einen Sammler ist das Archiv. Ich hab es relativ leicht. Ich hab erstmal relativ viele Büros, ob die in Wien, Linz, Graz oder sonst irgendwo sind, hat also den didaktischen Hintergrund, dass man . . .

Thomas Hein

. . . also du machst ein neues Büro auf, wenn die Plätze voll sind?

Hermann Eisenköck

So ähnlich, nein, wie gesagt, wissn´s: es ist irgendwie ganz spannend, auch interessant zu sehen, wie werden diese Arbeiten auch von den Mitarbeitern wahrgenommen, meistens eher enttäuschend, interessiert sich eh keiner, ja, ein paar interessieren sich. Und das freut einem dann wieder. Zweitens: wenn man vier Kinder hat, tut man sich auch leicht, die Wohnungen der Kinder voll zu hängen, suchen sich dann natürlich immer die schönsten Sachen aus, kriegen sie nicht, ja, vielleicht später, und ich hab noch nie ein Bild verkauft, und da gibt es halt die Freunde, zum 50. Geburtstag oder wenn sie heiraten oder sonst irgendwas: Schenk ich halt ein Bild her. Ich hab nicht unbedingt das Problem, es nicht zu wissen, was man mit Bildern macht. Ich hab schon gerne immer wieder zu wechseln, meistens eher ein Problem der Transport usw. Aber es ist spannend. Drum sag ich rückblickend: Wichtig ist ein gutes Archiv, wo man schnell Dinge wieder herausholen kann, anschauen kann, und sagt: Ah, das wäre ganz gut, wenn man das wieder einmal mehr lüftet, dass was wieder mehr zu Gesicht bekommt.

Publikum

Mir brennts unter den Fingernägeln. Lebt da wer davon? Ich höre von vier Kindern. Die Kunst muss finanziert werden. Stift Admont, da  hört man ein bissl was von Wirtschaftlichkeit und dass sie es ohne Steuergelder, Kirchensteuergelder machen. Ist wahrscheinlich eine gewisse Kalkulation dahinter. Aber welchen Status hat die Kunst? Wie wird das geschätzt? Ich hätte das gerne einmal gewusst. Bitte.

Hermann Eisenköck

Ich hab die Frage nicht ganz verstanden.

Publikum

Die Wirtschaftlichkeit hätte ich gerne gewusst, wer das schätzt, ich bin kein Künstler, was das auch an Wert ist. Ich bin soweit Sachverständiger bei einer Versicherung. Ich muss jeden Tag schätzen. Das würde mich interessieren. Ich mach meine reale Wertschöpfung, jetzt täte es  mich interessieren, wer da schätzt? P. Winfried sagt ja auch, es kommt nicht aus Steuergeldern, es wird irgendwie, gibt es ein Budget dafür? Und jetzt würde es mich interessieren, wie das bei euch ausschaut.

Hermann Eisenköck

Ganz einfach. Ich verdiene hoffentlich a bissl ein Geld, mit dem verdienten Geld hab ich meinen Lebensunterhalt, kauf mir alle paar Jahr vielleicht ein Auto . . .

Publikum

. . . es lebt keiner davon, ist ja nur Hobby, oder wie?

Hermann Eisneköck

Richtig, also ich, das Geld, meistens mehr als man ausgeben will, gibt man doch aus, im Wesentlichen: Statt dass ich drei, vier, oder fünf zusätzliche Reisen mache, kauf ich vielleicht zwei, drei zusätzliche Bilder.

Publikum

Sie wollen ja wissen, was sie gekauft haben, was sie haben. Oder bedarf es eines Kunst Sachverständigen? wo gibt es den bei euch?

Hermann Eisenköck

Da kann man jetzt sehr lange diskutieren, also ich hab´s nicht als Geldanlage. Kunst ist für mich keine Geldanlage, sondern ganz was anderes. Und natürlich, weil ich gesagt hab, dass ich noch nie ein Bild verkauft hab, wenn, verschenkt hab, oder innerhalb der Familie weitergegeben hab: Es ist sicherlich jeden Sammler Freude, wenn er vielleicht in einer gewissen Zeit genau das Richtige gesammelt hat, das vielleicht jetzt doch deutlich mehr wert ist, als man vielleicht ursprünglich bezahlt hat. Die Sammler die sagen: Das hat sie nicht interessiert, – das glaub ich nicht so ganz. Aber wirklich primär bei kaum einem Sammler, ist dieser monetäre Hintergrund, das: „Maria, ma, i hob jetzt des tolle Bild gekauft, hob 1.000,- Euro bezahlt, das ist 100.000,- wert.“ Also ich glaub, das ist sehr, sehr sekundär für einen Sammler.

Kurt Ryslavy

Aber es gibt ja ganz einfach den Kunstmarkt. Das ist die Antwort auf ihre Frage. Den gibt es, das ist ja so: Wie es einen Markt für Heizungen gibt, so gibt es einen Kunstmarkt und da gibt es eine Variant, und dann gibt es einen Viessmann, und was weiß ich . . .

Publikum

. . . bin aus der Weingegend, hab eine große Karl May-Sammlung zu Hause, Bild, Film, ich hab den Lex Parker kennen gelernt und andere wichtige Persönlichkeiten. Da habe ich auch nicht gefragt, was das mir, was es wert ist, ich habe es einfach gekauft.

Kurt Ryslavy

. . . genauso wenig fragen wir. Aber irgendwas zahlt haben sie auch . . .

Rudi Molacek

. . . ist jemand gekommen, sagt: Ich gebe Ihnen 20,- Euro. Der nächste sagt, ich gebe Ihnen 200.000,-  Euro. Ja, aber das ist der Markt!

Publikum

Bitte um Entschuldigung, bin als Laie . . .

Michael Braunsteiner

Also man geht ja  nicht ins Blaue. Im Internet gibt es Seiten, wenn man da niemand kennt, da zahlt man allerdings was dafür, aber wenn ich da mit Kennwort hineingehe, da kann ich dann sehr wohl sehen, was die letzten Aktionsergebnisse sind, von aktueller Kunst, die Verkaufsergebnisse also, historische Kunst sowieso, von alter Kunst sowieso, aber auch von aktueller Kunst. Und man kann das eigentlich ganz normal anschätzen: Wo liegt dieses Werk in der Größe, überhaupt kein Problem.

Publikum

Danke sehr.

Michael Braunsteiner

Aber letztlich müssen sie es auch bezahlt bekommen, das ist klar, also das ist ja keine Aktie, die ich über Nacht verkaufen kann.

Publikum

Kunstmarkt-, sehr schön . . .

Thomas Mark

Ich bin der einzige glaub ich, der davon lebt, recht und schlecht, und ich seh es natürlich ganz besonders, wie der Markt reagiert. Wenn ich ein Bild zu teuer anpreise, hab ich keine Chance, es zu verkaufen. Man kriegt ein Gefühl eben mit den Recherchen im Internet. Aber ich hab sehr wohl für meine Versicherung, vielleicht ist das was sie interessiert, hab ich einen Sachverständigen da gehabt, also wir haben die Arbeiten katalogisiert und angeschaut und eben für Brand, Vandalismus und für alles. Haben das geschätzt.

Publikum

Danke. Sehr lieb.

Thomas Hein

Ich möchte jetzt zum nächsten Punkt kommen, wobei wir das ans Ende gesetzt haben. Ich möchte jetzt das Wort übergeben an Michael Maier, der nicht nur kein Sammler ist, sondern Künstler ist, der zuletzt eine Ausstellung gehabt hat im Kunstforum Stockbauer und von dem eigene Werke vom Stift Admont angekauft wurden und er wird sprechen über verschiedene rechtliche Zusammenhänge: Einerseits über Nachlässe, Restitutionen, Stiftungen, wird so ein bisschen einen Einblick geben, wie die rechtlichen Randbedingungen für Leute sind, die sammeln wollen, was sie bedenken müssen, einen kurzen Einstieg.

Michael Maier

Danke. Sehr verehrte Damen und Herren. Ich will Ihnen nicht mehr zu dieser Zeit einen Vortrag zumuten, sondern will versuchen, anhand der wunderbaren Einführungen und Einblicke, welche uns heute Abend die Sammler geboten haben, ein wenig versuchen zu erläutern, worum es geht, wenn sich das Recht um die Kunst und für die Kunst interessiert. Weil der Kultur des Rechts ist das absolut fremd, dass sie sich für nichts interessiert. Das Recht interessiert sich für die Kunst, und vielleicht lassen sie mich gleich anhand des fiktiven Tatortes, heute Abend nämlich bei der Ausstellungsführung, ein wenig eine Einführung geben, oder eine Perspektive geben, um was es beim Kunstrecht gehen könnte. Wenn ich vielleicht Ihre Aufmerksamkeit auf den Tisch von Martin Kippenberger, wäre ja fast der liebe Herr Michael Braunsteiner an den Tisch gerammt, und dieser hätte beschädigt werden können. Und ich will jetzt durchaus, weil das vielleicht ein bissl lustig und interessanter ist, so die Tiefen des Urheberrechts in dieser Gelegenheit ausführen. Das österreichische Urheberrecht ist auf dem Standpunkt, dass man ein gekauftes Kunstwerk mehr oder weniger mir nichts, dir nichts zerstören darf, im geheimen Kämmerlein. Aber man darf es nicht beeinträchtigen. Und wenn es heute passiert wäre, dass dieser Tisch, das Tischbein abgeknickt wäre, dann wäre das eine Urheberbeeinträchtigung. Interessant war auch die Diskussion, ob der Sessel jetzt zum Kippenberger gehört oder nicht. Letztendlich haben wir gesehen, dass er nicht dazu gehört, wäre durchaus zu werten als eine Beeinträchtigung des Werkes Martin Kippenbergers. Das heißt: Es wird was ausgestellt, wo der Herr Kippenberger nicht seine Urheberschaft drauf hatte, oder er hat das Werk nicht hergestellt. Also da geht es um diese Dinge. Und lassen Sie mich eines vorausschicken: Von der rechtlichen Seite, oder wenn ein Rechtsanwalt mit Kunst zu tun hat, dann –   wir haben gerade vorhin auf dem Kunstmarkt zu sprechen bekommen – funktioniert das im Grunde nur deswegen, weil der Kunstmarkt Gott sei Dank in den letzten Jahren so eine Entwicklung hatte, dass es sich auch lohnt, um die Kunst zu streiten. Also diese Disziplin des Kunstrechts ist überhaupt nur ein Kind des mittlerweile erwachsenen oder prosperierenden Kunstmarktes. Da auch ein Beispiel von dem Bild des Erwin Wurms, wo er eben Pater Liborius mit dem Apfel abbildet. Diese Entwicklung, der Philosoph Jean Baudrillard sagt ja, dass das Abenteuer der modernen Kunst vorbei ist, und das Abenteuer haben wir in Österreich mit den Wiener Aktionisten – pars pro toto – wunderbar vor Augen geführt bekommen. Wo es ja auch darum gegangen ist, mit der Kunst, mit den Mitteln der Kunst, den Staat und die Kirche herauszufordern und anzugreifen. Und diese Diskussionen sind heute, zumindest meines Erachtens, nur mehr Randgebiete. Also es wird vielleicht noch inszenatorisch von Kunstwerken genommen, Aufmerksamkeit zu erzielen, aber meines Erachtens ist da keine wirkliche Intention mehr dahinter, so wie es in den 70er Jahren war. Und bei diesem Apfel, wo also P. Winfried auch erzählt hat, dass er da durchaus auch interveniert hat bei dieser Schweizer Galerie, wo dann im sogenannten Beipackzettel gestanden ist: Der Erwin Wurm macht sich lächerlich bzw er zieht die Lehren der Kirche herab und so. Diese Fälle spielen in der Praxis kaum mehr eine Rolle. Wo das interessant wird und wo durchaus in den Diskussionen auch gefragt worden ist, ist das, dass eine Sammlung selber durchaus auch urheberrechtlich geschützt werden kann. Das heißt, das wird vor allem dann problematisch, wenn Eigentümer und Kurator bzw. Sammlungsaufbauer oder die Helfer des Sammlungsaufbaues, oder eben Kurator sind, wenn das auseinanderfällt. Es hat hier eine Gerichtsentscheidung gegeben, auch wieder in Verbindung mit den Wiener Aktionisten, in Nachfolge von Otto Mühl in seiner Kommune, da hat eine gewisse Person diese Sammlung von Otto Mühl zusammen gestellt und hat nachher versucht einen Sammlungsverkauf zu verhindern, mit dem Argument, sie habe die Sammlung zusammen gestellt und aus diesem Grund dürfe diese Sammlung nicht zerschlagen werden. Aus gewissen verfahrensrechtlichen Gründen ist das nicht entschieden worden, aber der OGH hat immerhin festgehalten, dass auch eine Sammlung urheberrechtlich geschützt werden kann. Und wie gesagt, vielleicht auch lieber Michael, wenn du seit 17 Jahren fürs Stift sammelst: Also, es stellt sich urheberrechtlich die Frage, wem das gehört . . .

Thomas Hein

. . . darf ich kurz dazwischen fragen: Kann man da jetzt von so was ähnlichem wie dem Firmenwert sprechen, oder dass dieser höher liegt, als die Bestandteile der Firma, die Marke usw.?

Michael Maier

Das spielt da durchaus eine Rolle. Aber es geht auch darum, wie Herr Molacek auch gesagt hat und wie auch der Herr Eisenköck ausgeführt hat: so eine Sammlung wächst natürlich und so eine Sammlung bedarf der Pflege, es wird aufgeführt, es wird vielleicht manches wieder weitergegeben. Also im Normalfall trägt so eine Sammlung, die über Jahrzehnte aufgebaut wird, immer eine Handschrift. Und Firmenwert: Der Wert kann vielleicht – also wenn man Zeitungen glaubt und den Diskussionen und da vielleicht auch dem Herrn aus dem Publikum das Stichwort ´Wert der Kunstwerke´, aufgreifend – nicht ein Problem, aber ein Handlungsbedarf werden, wenn vielleicht die Erbschaftsschenkung oder Vermögenssteuer wieder eingeführt wird. Also dann ist wirklich anzuraten, wie Herr Architekt Eisenköck vorgibt, da zu archivieren. Zu wissen zumindest: was hat man alles. Also da gibt es ganz, ganz tragische Fälle: Wo jemand gesammelt hat, in der Schweiz ist das passiert, und dann ist es zum Erben gegangen oder zum Übergeben, und diese Bilder waren auf einmal um so viel, extrem viel wert, es ist um einen Picasso gegangen, wo diese Steuer nicht bezahlt werden hatte können. Also da ist sicher anzuraten, zumindest am besten genau zu wissen, was man von wem hat. Was ist mir noch aufgefallen: Dieses, ich glaub Herr Eisenköck, sie haben es angesprochen, wie sie erzählt haben: Anzinger, er wollte ein Bild haben von einem Bild, welches sie besitzen, wo er sie angerufen hat. Das ist z.B. noch ein Recht des Künstlers, welches er nie verliert. Das gehört so zu den Persönlichkeitsrechten. Wie im normalen Rechtsverkehr das Namensrecht, dass man sich nicht verteidigen lassen muss. Also dieses Recht existiert auch weiter, wenn man das Kunstwerk besitzt und der Eigentümer ist. Das kann so weit gehen, dass bei einer Skulptur ein Werk-Abguss gemacht werden muss. Und das bleibt lang, lebenslang das Recht des Künstlers, was er ausüben darf und kann.

Was ist noch. Ja gut, im Zusammenhang mit Maria Lassnig ist auch die Stiftung zur Sprache gekommen, oder wie das weitergeht. Ich meine, Herr Molacek sie haben es ja auch so schön gesagt: man muss sich sehr früh darüber Gedanken machen, wie man das jetzt weiter kriegt, oder überhaupt weitergibt, oder man lässt das einfach los. Da sei in den Raum gestellt, wenn das mit einer Stiftung nicht so unproblematisch ist, dass das natürlich auch, man spricht von 2-300.000,- EURO und eine große Kapitalausstattung für die Stiftung, wenn man ziemlich sicher sein will, dass das auch in Zukunft bzw. für ein, zwei Generationen noch weitergetragen werden soll. Aber es gibt da auch im normalen Erbrecht durchaus Möglichkeiten, wo man sagt, das eine oder andere sollte erhalten bleiben.

Bei Maria Lassnig fällt mir auch noch ein, weil ich auch ein bisschen ihr Werk kenne: Weil sie eben sehr spät Erfolg gehabt hatte, und vielleicht gibt es auch eine Variante, ihr das zu raten oder so. Oder dass man vielleicht einen Fonds für junge Künstler irgendwo macht, und dass man diese Bilder, vielleicht einmal im Jahr eines versteigert, davon bekommen Künstler Förderung oder so. Aber ich glaub auch, dass da a bissl eine Rache im Spiel sein könnte, so würd ich nicht sagen, aber sie war jahrzehntelang verkannt oder nicht anerkannt, und tut sich wahrscheinlich auch aus diesen Gründen schwer.

Gut. Sonst was wichtig wäre, ist: Diese Unterscheidung zwischen zeitgenössischer Kunst und – sagen wir einmal – Kunst anerkannter Meister oder alter Meister. Bei der zeitgenössischen Kunst hab ich jetzt von Kaufvertrag oder von diesen eigentlich wenigen Problemfeldern, ich muss ein paar Dinge des Urheberrechts beachten, das Zugangsrecht des Künstlers, man muss beachten: vor allem bei Alten Meistern spricht man per maximus vielleicht, auch beim Unternehmenskauf spricht man von einer Prüfung und das ist vor allem, Michael du hast es auch schon angesprochen, du hast gesprochen vom Art Loss Register, auch dem Art Price Register. Also grad bei Alten Meistern ist es dringendst zu empfehlen, das Kunstwerk vor allem auf Echtheit und auch auf Provenienz zu prüfen, das heißt, ob der Eigentümer, der es uns verkaufen will, auch wirklich verkaufen will und man kennt jene, die geprüft werden, was natürlich auch . . .

Thomas Mark

. . . ob er noch geschäftsfähig ist.

Michael Maier

. . . das alles. Auch diese Sammlung Jägers – vielleicht haben sie es verfolgt in den Nachrichten – wo eine riesengroße Kunstfälscherbande, wo ein Skandal aufgedeckt worden ist, der gerade in Köln verhandelt wird. Letztendlich, und damit will ich jetzt auch schon schließen, letztendlich darf, kann nur empfohlen werden, dieses Engagement für die Kunst, so wie es Herr Eisenköck sieht: Man muss, glaub ich, zuerst einmal die Leidenschaft oder die Liebe für die Kunst voranstellen, und sich  dann schon um das Kleingedruckte sozusagen kümmern. Weil bei dieser Gerichtsverhandlung Jägers hat sich sogar der allseits bekannte Werner Spies, so heißt er, geirrt: Der hat der Sammlung Würth einen falschen Max Ernst angeboten, oder zum Kauf empfohlen. Es können sich auch die besten Sachverständigen irren, das sei hier auch einmal gesagt. Von der Judikatur spricht man am Rande beim Kunstkauf auch vom Glückskauf. Dankeschön.

Thomas Hein

Ich möchte eine kurze Frage noch anschließen, weil wir bei den Stiftungen waren. Weil die Diskussion glaub ich, zwischen Deutschland und Österreich, wo Stiftungen sämtliche Museen gebaut haben bzw. Museen führen, Sammlungen sozusagen weitergegeben werden an die Öffentlichkeit, geschenkt werden, – gibt es da große Unterschiede zum österreichischen und deutschem Stiftungsrecht? Also man hört auch, dass das österreichische Stiftungsrecht noch nicht entwickelt ist.

Michael Maier

Das österreichische Stiftungsrecht soll noch nicht entwickelt sein? . . .

Thomas Hein

. . . noch nicht so stark, oder: Viele Sachen nicht gelöst sind, die in anderen Ländern, die Stiftungen anregen oder . . .

Michael Maier

. . . es gibt erst seit mittlerweile 20 Jahren Erfahrung mit der Stiftung. Das kann vielleicht das Argument sein. Sonst muss man sagen: Dass es ungefähr 3000 Stiftungen gibt. Das ist mehr, als dass es AGs, also Aktiengesellschaften gibt. Also insofern kann man das so nicht . . .

Thomas Hein

. . . Stiftungen im Kunstbereich

Michael Maier

Stiftungen im Kunstbereich. Gut, das spielt eine andere Rolle, weil bei Stiftungen im Kunstbereich gibt es in Deutschland schon eine riesenlange Unternehmenstradition und bei uns einige Unternehmen, die diese Schritte gehen, aber nicht so flächendeckend. Es hängt auch damit zusammen, dass das nicht nur das Stiftungsvermögen – sozusagen das Vermögen, das in die Stiftung eingebracht wird – ist, sondern weil ein ziemliches Vermögen für den laufenden Betrieb notwendig ist.

Thomas Hein

Gibt es Fragen vom Podium, die Rechtsfragen betreffen? … Dann möchte ich eine Frage sozusagen ans Ende stellen, möchte dann auch ans Publikum weitergeben. Wie schaut die neue Sammlergeneration aus? Junge Sammler: Gibt es die, oder ist das Geldverdienen, die ersten 30, 40 Jahre, bevor man zu sammeln beginnt, wichtiger? Was sind da die Erfahrungen? Thomas, du stehst, glaub ich an erster Stelle: Wie beginnen die zu sammeln, junge Sammler, sind da schon Vermögen da? Oder ist es eine Generation, die ins Kino geht, oder auf Club-Partys, aber die keine Kunstsammlung haben.

Thomas Mark

Es gibt diese junge Sammlerszene ganz sicher. Es gibt viele Leute, die sehr viel arbeiten, junge Leute, und natürlich auch damit gut verdienen. Aber weil sie so viel arbeiten, haben sie nicht die Möglichkeit, sich mit der Kunst näher zu beschäftigen. Und sie sind natürlich durch die Bilderflut heute auch gesättigt, sie fahren an den Autobahnen vorbei, an den Bilderwänden, an den Reklametafeln, sie sitzen zuhause vor dem Fernseher, sie sitzen im Kino, sie haben also nicht mehr das Gefühl für die Wahrnehmung, und sie nehmen sich auch nicht mehr die Zeit, ja sie haben sie nicht. Deswegen kaufen diese jungen Leute – nach meiner Erfahrung her – Zeitgenössisches, Zeitgeistiges mit einem Hauch, einem Anflug vielleicht von Ironie auch, oder auch Sex and Crime. Auch diese Dinge also sind eher auch über diese junge Klientel nachgefragt. Und dieses Spiel auch mit Unaussprechlichem. Und ich glaub, dass es doch also einen Markt, ein hohes Marktvolumen hat,was Junge kaufen. Allerdings kaufen sie was anderes, als jemand, der: man legt Geld an, oder ich interessiere mich für das, hab mich damit beschäftigt, und ich möchte genau dieses Werk haben.

Thomas Hein

Frage an die Sammler: Kauft ihr Junge Kunst? Ist das eine Beschäftigung, dass man schaut, was es da gibt? Oder wo findet ihr eure Werke für die Sammlungen, für eure Sammlungen?

Rudi Molacek

Die Sammlung, die ich aufgebaut hab damals, das war ja auch Junge Kunst und jetzt bin ich selbst Künstler. Ich sehe wohl, aber hab auch nicht so das Bedürfnis, jetzt unbedingt noch etwas . . .

Thomas Hein

. . . also eher auf Zufälle?

Rudi Molacek

. . . aber die Auseinandersetzung mit Junger Kunst eher auf künstlerischer Ebene.

Kurt Ryslavy

Ja, ich kauf ständig Junge Kunst.

Hermann Eisenköck

Ich kauf, ja ja.

Michael Braunsteiner

Dem ist was hinzuzufügen. Und zwar: Unter uns sitzt ein junger Sammler, ich darf Herrn Gugatschka, der bei einem Salongespräch schon dabei war, bei uns begrüßen und ihn bitten – es soll jetzt kein Zwang sein – aber vielleicht einige Worte dazu zu sagen.

Markus Gugatschka

Ja. Danke. Also wie gesagt, mein Name ist Markus Gugatschka, ich bin aus Graz und wir haben vor zwei Jahren auch begonnen, junge Kunst zu sammeln. Wir fahren nicht viel Auto, und nicht viel Autobahn und bei Reklametafeln vorbei. Aber was, glaub ich, für uns Junge – ich kenn da auch Großsammler – wichtig ist, ist auch der Bezug zu der Kunst, das heißt: Ich würde mir jetzt niemals einen Brus oder Nitsch kaufen wollen, obwohl das fantastische und gute Künstler sind. Ich brauch einfach wirklich den Draht zu ihnen irgendwie. Ich sag, das ist gute Kunst, aber: Christian Eisenberger oder Michael Gumhold, das ist doch ganz was anderes. Und das spricht mich mehr an. Und das geht auch denen so, die ich kenne, die in meiner Generation sind, die sammeln. Also ein Hannes Schwarz wäre wahrscheinlich für uns Junge, für die wenigsten wahrscheinlich wirklich ein Thema.

Kurt Ryslavy

Na, aber dazu muss ich sagen: wenn ich einen guten Nitsch kaufen könnte, würde ich ihn kaufen. Oder einen guten Brus.

Markus Gugatschka

Aber . . .

Kurt Ryslavy

. . . nur ich hab das Geld nicht, also . . .

Markus Gugatschka

. . . ich hab das Geld auch nicht, ich würde es auch nicht tun!

Kurt Ryslavy

Also es geht ums Geld! In erster Linie: Wenn ich einen da Vinci kaufen kann, kauf ich einen da Vinci. Mir ist das wurscht im Prinzip. Aber ich finde bei der Jungen Kunst einfach viel mehr leistbare Dinge, als bei der etablierten Kunst.

Markus Gugatschka

Ist richtig, ja.

Thomas Hein

Frage an dich: Hast du das Gefühl, du würdest auch Künstler kaufen, die in deiner Generation sind, wo du sagst: das sind auch die Themen und die Kunstformen. Dass man sagt: Das ist meine Kunst – das ist das, was mich auch umgibt?

Markus Gugatschka

Ja stimmt. Aber wie gesagt: Das hat sich ergeben! Das ist jetzt keine Absicht, aber wenn man so sammeln beginnt, das macht jeder – unter Anführungszeichen – diese Sammlungsfehler vielleicht am Anfang. Und wir sind dann auch in eine ganz andere Richtung gegangen, als wir eigentlich begonnen haben. Und es haben sich dann auch für uns nie Fragen gestellt, jetzt, was arriviert ist – unter Anführungsstrichen – zu kaufen. Es ist zumindest bei uns der Zug zur Jungen Kunst unserer Generation da: plus/minus 10 Jahre. Ist unser Hobby wie gesagt. Und wir machen das auch weiter. Ich sehe da jetzt keinen Grund, das irgendwie zu ändern für uns.

Thomas Hein

Ich möchte noch kurz einhaken. Ich hab das Wort `uns´ gehört. Heißt uns: Du und andere? Seid ihr mit anderen Sammlern in Kontakt? Es gibt viele Sammler von denen man weiß, dass sie älter sind. Aber auch in deiner Generation, dass man sich gegenseitig besucht, diskutiert über die Kunstwerke?

Markus Gugatschka

So ist es! Ja. Es gibt in Graz, Graz ist nicht so klein, es gibt eine gewisse community. Ein Freund, der sammelt viel: Also der sammelt Esther Stocker, der sammelt den Clemens Hollerer, also ..: der Kreis ist dann doch wieder so klein, dass man sich dann untereinander austauscht.

Kurt Ryslavy

Die Sammler formieren sich gegen die Künstler, die sich formieren.

Thomas Hein

Ist das auch heute schon gefallen: Einerseits ist da das Kunstwerk, das interessiert, aber sind es auch die Künstler als Personen, die man dann kennenlernt, in deren  Ateliers man geht und sagt: Mich interessiert der Hintergrund auch, wie entsteht das? Eine andere Lebenssituation, die mit meiner in Beziehung tritt.

Markus Gugatschka

Klar, aber das ist ja heute auch schon gefallen. Das hat doch jeder der Sammler, der Künstler, die hier im Plenum versammelt sind, hat das auch so bestätigt, also: Das geht wirklich wie ein roter Faden durch, schätze ich mal. Das fasziniert jeden: Der Gegenentwurf zum bürgerlichen Leben sag ich jetzt einmal, wahrscheinlich . . .

Kurt Ryslavy

. . . da muss ich auch widersprechen, weil: wie ich jünger war, hab ich auch irgendwie, ich spreche jetzt nicht vom Alter, aber, nein das ist ein Blödsinn, aber ich möchte sagen: Dass mich das Kunstwerk in erster Linie fasziniert und dann treffe ich den Künstler. Das kann sein, dass das ein Vollkoffer ist, stört mich nicht, wenn das Kunstwerk gut ist. Aber wenn der Künstler sympathisch ist, ist es auch sympathisch. Also freu ich mich dann, oder man kann reden miteinander. Aber z.B. der Kippenberger war nicht unbedingt ein angenehmer Mensch, also die besten Freunde waren nicht sehr unglücklich, wie er gestorben ist. Also muss man sagen: Es gibt alles. Es ist für mich jetzt nicht unbedingt wichtig, dass ich mit dem Künstler guten Kontakt hab, weil für mich mehr das Kunstwerk zählt.

Thomas Mark

Es stimmt mich trotzdem sehr trostvoll, weil sie sind jemand, der sich mit der Kunst beschäftigt.

Markus Gugatschka

Ja.

Thomas Mark

Und damit sind sie nicht die von mir angesprochene Kategorie. Weil man muss sich einfach, wenn man etwas tut, man muss sich Zeit für etwas nehmen.

Markus Gugatschka

Das ist richtig. Aber sie haben sicher ihre Erfahrung in der Galerie, dass da wahrscheinlich Leute rein schneien, die sich wahrscheinlich nicht viel beschäftigen, beschäftigt haben, die einfach was Bestimmtes wollen. Das ist halt nicht unser Zugang. Also: wir beschäftigen uns halt wirklich, intensiv. Ich interessiere mich für viele Ärzte natürlich, die sammeln. Dieser monetäre Faktor. Also ich würde meine Großmutter nicht um ein Schmetterlingsbild von Damien Hirst geben, oder: Ich würds nicht sammeln, würde ihn nicht sammeln.

Thomas Mark

Eine Frage: ist die Sinnlichkeit eines Kunstwerkes für Sie wichtig? Oder ist nur das Konzeptuelle, das Virtuelle?

Markus Gugatschka

Absolut die Sinnlichkeit. Die Aura des Kunstwerks. Das Nicht-Erklärbare. Wenn man zusammenlebt längere Zeit, sich dann immer wieder wandelt: Das ist eigentlich das Schöne. Clemens Hollerer, den ich nicht sammeln würde, oder Esther Stocker ist für mich etwas zu mathematisch, zu trocken, langweilig. Aber das sind halt die unterschiedlichen Zugänge.

Thomas Hein

Gibt es Fragen aus dem Publikum zu verschiedenen Themen, die heute gefallen sind – – – ziemlich lange heute?

Kurt Ryslavy

Wo ist das nächste Zwiebelbrot?

Thomas Hein

Bevor wir zum Ende kommen: Ich gebe da nur Meinungen weiter, und es ist nicht meine Meinung, aber ich werde auch eins essen.

Vielen Dank fürs Zuhören. Ich danke den Teilnehmern am Podium und wünsche ein angenehmes zusammen Stehen und weiter Diskutieren. Vielen Dank!

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Klatschraum

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Kunstsammeln

Eine Dokumentation der Salongespräche und der Podiumsdiskussion mit steirischen Sammlern anlässlich der Sonderausstellung SAMMLER-LEIDENSCHAFT im Museum des Stiftes Admont 2011

Initiiert, transkribiert und herausgegeben von Barbara Eisner-B.

link Museumszeitung 2011:

www.stiftadmont.at/deutsch/downloads/Museumszeitung-2011.pdf

Barbara Eisner-B.

© doku_mentale 2011_2012

poesia_doku_mentale@yahoo.com

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9. Juli 2012

MICHAEL MAIER . STÖRENFRIED . KREUZZUG ZU KASSEL

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Kreuzzug zu Kassel

EINE POETISCHE GESTE AM FRIEDRICHSPLATZ

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Michael Maier’s STÖRENFRIED

in Bewegung

im Sprechen

im Atmen

im Schauen

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ZUM STÖRENFRIED-BLOG:

http://kreuzzugzukassel.wordpress.com

23. Februar 2012

Miba Eisbraun . THREE STATEMENTS ABOUT ART . 2012

Miba Eisbraun

THREE STATEMENTS ABOUT CONTEMPORARY ART

The greatest  ever

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Miba Eisbraun with Irmgard J. Eisner

Orginal version in FULL HD  ǀ  3’00“

Miba Eisbraun . © 2012

mibaeisbraun.com

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17. Februar 2012

DER BESUCH . by Miba Eisbraun

THE VISIT . by Miba Eisbraun . 2012

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Visiting the exceptional Austrian artist Michi Maier and his extremly funny kids

Starring: Michi Maier . The Artist, Irmgard J. Eisner, Lena, Nana, Emma

Camera Dramatique: Barbara Eisner-B.

Technische Realisierung: Michael Braunsteiner

More Information about the artist:

http://www.castyourart.com/?s=Maier+Michael&x=0&y=0&sn=1

Miba Eisbraun
© 2012

http://mibaeisbraun.com

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MICHAEL MAIER – RECHTSBILDER

Bilder von Recht und Gerechtigkeit

Text anlässlich der Ausstellungseröffnung in Graz, November 2010

Michael Braunsteiner

Wir stehen in einer Rauminstallation, in der sich Gegenwart und Vergangenheit treffen. Ausgangs- und Drehpunkt dieser vielteiligen Arbeit ist der allseits, insbesonders Juristen als auch HHhHistorikern bekannte Sachsenspiegel aus dem 13. Jahrhundert. Bei diesem Buch handelt es sich um eines der ältesten Rechtsbücher in deutscher Sprache und um das älteste bildlich dokumentierte Rechtssammlung. Unter den rund 460 erhaltenen Handschriften und Fragmenten des Sachsenspiegels finden sich vier Bilderhandschriften (sog. codices picturati) mit einer durchgehenden Illustration.

Diese einfachen, auch für ihre Zeit großartigen Bilder mit ihren oft naiv anmutenden Figuren und ihrer falschen Perspektive haben Michael Maier an seine eigenen Werke erinnert und inspiriert. Sowohl über sie als auch über den historisch-juridischen Inhalt fand er Zugänge zum Sachsenspiegel.

Er hat ihn somit auf zweifache Weise zu seinem heute präsentierten Bilderzyklus angeregt. Man muss wissen: Michael Maier ist ausgebildeter Jurist SOWIE autodidaktischer Künstler – und auch Schriftsteller. Schon in seinem von mir für die Kunstsammlung des Stiftes Admont angekauften großformatigen Bilderzyklus „Die Sieben Todsünden“, einer Wiederbelebung und Neuinterpretation eines kirchlichen Themas, oder im „Eherecht“-Zyklus hat dieser Doppelzugang seinen klaren Niederschlag gefunden. Themen wie Sünde, Verbrechen, Recht spielen in der Kunst von Michael Maier eine ebenso wichtige Rolle wie im realen Leben.

Es ist ungewöhnlich, dass sich aktuelle Kunst kaum so direkt mit dem Spannungsfeld Kunst und Recht auseinander setzt, wie es bei Michael Maier der Fall ist. Das kann damit zusammen hängen, dass es bei Gesetzen primär ganz nüchtern um Schrift geht, kaum um Bilder. Wenn es in der Kunst unserer Zeit um Recht geht, dann meistens um Rechtsfragen in eigener Sache. Sowohl im Sachsenspiegel als auch im vorliegenden Fall ist das anders. Der Künstler ist der Meinung, das Bild trage immer einen kurzfristigen emotionalen Sieg über das geschriebene Recht davon.

Michael Maier hätte in seinem Leben einen im Sinne unserer Gesellschaft geordneten Weg gehen können. Einem sorgenfreien Leben als Jurist wäre nichts entgegen gestanden. Stattdessen ist er ein volles Risiko eingegangen. Ich persönlich bin froh darüber. Aber Künstler sein zählt immer, noch mehr in Zeiten wie diesen, zu den sehr schwierigen Unterfangen. Selbst die Großen haben es nicht mehr leicht. Seinen spannungsgeladenen Entscheidungsprozess mitsamt allen damit verbundenen Zweifeln hat Michi Maier auch in einzelnen Bildern thematisiert. Ein solches etwa heißt KATHARSIS VORWÄRTS. Michi Maier –  von seiner Kunst durchdrungen um nicht zu sagen ihr obsessiv verfallen – ist ein Kämpfer – unglaublich produktiv in seinem Atelier tätig. Seine oft riesigen Werke entstehen in schnellen Würfen. Er kämpft auch an vielen anderen Fronten. Er mobilisiert und networkt, er kontaktiert Sammler, er stellt Atelierräume und auch Ausstellungsräume wie diesen auf. So nebenbei. Unglaublich, wie er das schafft. Das gehört dazu. Selbstvermarktung verbunden mit Überzeugungskraft.

An dieser Stelle sei allen gedankt, die von Michi Maier überzeugt sind, die für ihn und mit ihm kämpfen.

A propos Überzeugung! Brave Salonkunst ist das keine. Diese Art Kunst spaltet die Geister. Entweder man ist für sie oder gegen sie. Ich denke, das ist gut so. Mit seichtem Mittelmaß haben wir es bei diesen Bildschöpfungen jedenfalls nicht zu tun.

Was sehen wir? Wir stehen mitten in einer temporären Installation von Groß- und kleinformatigen künstlerischen Statements zum Thema „Recht und Gerechtigkeit“. Der Künstler hat sieben Orte der Rechtsverwirklichungen in Form von Bildern und Skulpturen aufbereitet: Strafgericht, Zivilgericht, Universität, Finanzamt, Sozialamt, Arbeitslosenamt und Asylamt. Monumentale Figuren, teils erschreckend, teils infantil, blicken uns aus den farbkräftigen, gestisch gemalten Bildern an. In ihrer Frontalität, mit ihren auf uns gerichteten Blicken sprechen sie uns direkt an, ziehen uns hinein in ihre wilde Welt.

Schon auf den ersten Blick erweist sie sich als ein Konzentrat an Elementen aus Art Brut, Comics, Pop Art, Werbung. Aufgrund ihrer überraschenden Mischung aus Acryl-Malerei und PU-Schaum auf Platten hat sie sowohl Skulptur- als auch Malereicharakter. Wichtige Teile der Bilder treten dreidimensional hervor. Ernst und Humor, Spielerisches und Tragisches stehen in permanentem Dialog.

Wie alles bei diesem Künstler hat auch seine Malerei jene faszinierende Kraft, die sich zwischen scheinbar unvereinbaren Gegensätzen entwickeln und wirken kann. Michael Maier verbindet themenbegingt auch Bild und Schrift in diesen Werken. Auf in die Bilder integrierten Tafeln finden sich wörtlich zitierte Gesetzestexte. Assoziationen sind vielfältig: etwa zu den Gesetzestafeln Moses oder zu historischen Szenen mit öffentlich am Pranger samt umgehängter Tafel mit Hinweis auf das jeweilige Verbrechen zur Schau gestellten Angeklagten. Wie immer verschließt sich Michi Maier auch in diesem Punkt einer eindeutigen Auslegung und stellt so gut wie alles in Frage. Natürlich auch unser Rechtssystem. Die Schrift kommt aufgemalt oder eingeritzt in den Bildern vor. Die so dominanten virtuellen und medialen Welten haben ihre Spuren in den Bildern hinterlassen. Die Übermacht der Bilder im täglichen Leben spielt eine wesentliche Rolle Als Gegenpole zur Verzweiflung Rechtloser, Verurteilter oder auch nur mit VorURTEILEN behafteter Menschen begegnen wir Logos, Labeln, Statussymbolen aus der kapitalistischen Werbewelt: Chanel, Marlboro, BMW, Mastercard. Weder vor dem Gesetz noch in unserer Alltagswelt sind alle gleich. Jeder ist anders zu seinem Vor oder Nachteil. Die Einen können es sich richten. Die Anderen haben von vorne herein vierspielt. Gerecht ist das nicht. Aber es ist Realität.

Was will diese Kunst? Sie stellt Werte in Frage. Sie springt von der vorgegebenen sicheren Schiene mitten in die gefährliche Wildnis. Sie bricht aus. Sie will Neuland ergründen, einen Sinn finden und sich selbst einen geben – so wie ihr Schöpfer. Und seine Kunst will wachsen und uns als Betrachter wachsen lassen. Stillstand – ein dem Tode gleicher Zustand – ist nicht ihre Sache!

Wo sind wir? Bezeichnender Weise nicht in einem Museum oder einer Galerie, sondern in einer aufgelassenen trashigen Putzerei mitten in Graz, wo man keine Kunst vermuten würde.

Wer macht diese Kunst? Einer der sich nicht einordnen lässt. Einer, der mit seinem Ansatz die über weite Strecken saturierte Kunstszene gehörig aufmischt. Einer, der meines Erachtens unbedingt hin gehört in die österreichische Kunst- und Kulturszene, wenn garstige Verkrustungen aufbrechen sollen, über die man einfach hinwegzusehen gewohnt ist.

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Michael Maier – Next exhibitions:

JENSEITS DES SEHENS
Kunst verbindet Blinde und Sehende
Stift Admont – Bibliothek & Museum
25. März bis 8. Juli 2012
Kurator: Michael Braunsteiner

ZWISCHEN ERINNERN UND VERGESSEN
Endlichkeit & Ewigkeit
Stift Admont – Bibliothek & Museum
14. Juli bis 4. November 2012
Kurator: Michael Braunsteiner

http://www.stiftadmont.at/deutsch/museum/museum/gegenwart_gegenwartskunst.php

15. März 2011

Miba Eisbraun . EINBUCH

E I N B U C H

Miba Eisbraun

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Angewandte, Bildende und Darstellende Kunst in Bündelung

Performance . Video . Fotografie . Skulptur . Objekt . Literatur . Klang

Erstmalige Produktpräsentation auf der Leipziger Buchmesse 2011

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DAS ERSTE TRANSMEDIALE EINBUCH DER WELT

von Miba Eisbraun: Buchobjekt, 21,0 x 29,7 cm, Holz, Colorprint, Kunststoff, DVD, in Buchbehälter mit weißen Stoffhandschuhen; das Video zeigt das Auftragswerk, Miba Eisbraun, EINBUCH A 1  1 von 1, Das Grab – Projekt U 1277

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EINBUCH 6 . 1 von 1 . DER MÖRDER . Lese Performance . VIDEO-TEASER- 4’16“

Länge des Original-Videos: 12’41“

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DAS ERSTE TRANSMEDIALE

EINBUCH DER WELT

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Das EINBUCH ist ein von Miba Eisbraun entwickeltes Kunst-Objekt (Holz, Metall, Color Print, DVD) in DIN A4-Größe. Jedes EINBUCH-Unikat versteht sich als transmediales Künstlerbuch und befindet sich in einem Buchbehälter. Stoffhandschuhe liegen bei.

Von jedem EINBUCH existiert nur ein einziges Exemplar. Das erste hat die Nummer 1  1 von 1. Das folgende 2  1 von 1 usw. Es gibt auch EINBUCH-Auftragswerke. Diese werden zusätzlich mit einem A (A 1  1 von 1, A 2  1 von 1 etc.) bezeichnet.

Jedes einzelne EINBUCH  ist Teil der ständig wachsenden, nach oben unbegrenzten EINBUCH-Reihe. Nach dem x-ten EINBUCH ist ein Sammelband in möglichst hoher Auflage geplant, der über einen Verlag vertrieben werden soll. Der EINBUCH-Sammelband wird mit einem Foto und einem Text pro Doppelseite sowie einer beiliegenden DVD mit den „Best of EINBUCH-Videos“ versehen sein.

Das EINBUCH lässt sich nicht aufschlagen wie ein gewöhnliches Buch. Das Cover wird jeweils mit einem Miba Eisbraun-Foto gestaltet. Auf der Rückseite befindet sich ein Miba Eisbraun-Text. Per Knopfdruck lässt sich eine DVD aus dem Buch-Objekt heraus drücken. Auf ihr befindet sich ein Video mit der Lese-Performance des jeweils nur die rückwertige Seite beanspruchenden EINBUCH-Textes.

Zu jeder Lesung entsteht ein Video aus der Miba Eisbraun-Produktion. Die Videos sind über die Miba Eisbraun-Homepage  –  mibaeisbraun.com  –  im Internet abrufbar.

Jedes EINBUCH wird von Miba Eisbraun zusammen mit Partnern produziert. Diese „Partner“ können kreative Personen sein, aber ebenso gut Tiere, spezifische Objekte und Orte.

Jedes EINBUCH ist somit ein einmaliger WURF . . .

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mibaeisbraun.com

© Miba Eisbraun 2011

All rights reserved

28. September 2009

ERUPTIVE KUNST? – ART BRUT IN ÖSTERREICH

Filed under: art,contemporary art,kunst,museum — LitterART @ 11:05
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ERUPTIVE KUNST? – ART BRUT IN ÖSTERREICH

By LitterART – http://litterart.wordpress.com

 

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Natterer,.Hirte.low

August Natterer (Neter), "Wunder-Hirthe", vor 1919, Sammlung Prinzhorn/Heidelberg

Österreich wird nicht nur mit Sigmund Freud assoziiert, der das Menschenbild des 20. Jahrhunderts wesentlich mit geprägt hat. In Österreich befindet sich auch die heutige Gedenkstätte Schloss Hartheim – von 1940 bis 1944 eine der sechs Euthanasieanstalten des Dritten Reiches, in der im Zuge der Aktion T4 von den Nationalsozialisten die Ermordung behinderter Menschen als „lebensunwertes Leben“ vollzogen wurde. Dem organisierten Massenmord des Nationalsozialistischen Regimes sind zahlreiche Menschen mit Behinderungen, darunter auch KünstlerInnen,  zum Opfer gefallen. Sehen wir ein Mahnmal, ein DENKmal in ihrer Kunst! Gedenken wir der Opfer dieser schrecklichen Zeit! – – – – Machen wir uns bewusst, dass diese Zeiten noch gar nicht so lange her sind! Machen wir uns auch bewusst, dass sich die Umstände für die Betroffenen seitdem zum Glück radikal gewandelt haben. Zumindest in unserem Kulturkreis müssen Menschen mit Behinderungen nicht um ihr Leben fürchten. Im Idealfall können sie unter professioneller Betreuung mit guten Materialen in Ruhe arbeiten. Seit der Erfindung der Psychopharmaka im Jahre 1951 werden sie auch nicht mehr grausam in Tobräumen oder mittels Dauerbädern ruhig gestellt wie noch zu Prinzhorns Zeiten.

Art Brut, was ist das? Sieht man, unserer Zeit entsprechend, einmal rasch bei WIKIPEDIA nach, findet man folgende Definition:

Art Brut (franz. für unverbildete, rohe Kunst, auch etwa edelherbe Kunst) ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung. Die Bezeichnung ging vom französischen Maler Jean Dubuffet aus, der sich eingehend mit einer naiven und antiakademischen Ästhetik beschäftigte. Art Brut ist weder eine Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung, sondern beschreibt eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen. Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist stattdessen der Begriff Outsider Art („Außenseiter-Kunst“) gebräuchlich.

Die Wurzeln der ART BRUT reichen bis in die Psychiatrie des 19. Jahrhundert zurück. So hatte schon der Turiner Psychiater Cesare Lombroso in seinem Buch „Genio e follia“ (Genie und Irrsinn, dt. 1884) den Wahnsinn als Quelle außergewöhnlicher künstlerischer Begabung bezeichnet. In Schriftstellern wie Tasso, Rousseau, Hölderlin oder Kleist hatte Lombroso „Genies mit Geistesstörung“ gesehen und sie mit klinischen Fällen von Wahnsinn verglichen. Bereits 1907 hatte der französische Psychiater Paul Meunier in seinem unter dem Pseudonym „Marcel Réja“ erschienenen Buch „L`art chez les fous“ die Werke einiger seiner Psychiatriepatienten gewürdigt – und zwar nicht nur unter diagnostischen, sondern auch unter ästhetischen Gesichtspunkten. Die Ansätze beider Autoren waren zu ihrer Zeit auf wenig Beachtung gestoßen. Im Jahre 1918 hatte Walter Morgenthaler seine Habilitationsschrift „Übergänge zwischen Zeichen und Schreiben bei Geisteskranken“ publiziert. Bekannt geworden ist der Schweizer Psychiater aber erst 1921 mit einer weiteren Publikation, der Monographie „Ein Geisteskranker als Künstler“. Darin hatte er den schizophrenen Psychiatrieinsassen Adolf Wölfli (1864-1930) und dessen Werk vorgestellt. Wölfli hatte eine 25.000-seitige Lebensgeschichte in Wort und Bild verfasst. Es war das erste Mal, dass ein Patient namentlich erwähnt und ein „Geisteskranker“ klar als Künstler bezeichnet worden war. Darin ist ein erster Schritt in Richtung wertschätzender Einbindung von Außenseiter-Kunst in die Gesellschaft zu sehen. Im Verlauf seiner späteren Arbeit in der Bernischen kantonalen Irrenanstalt Waldau hatte Morgenthaler rund 5000 Werke von über 280 Patienten gesammelt. Heute ist die „Sammlung Morgenthaler“, ehemals „Bildnerisches Schaffen von Patientinnen und Patienten“, in der „Stiftung Psychiatrie – Museum Bern“ untergebracht. Die Bedeutung Wölflis kommt wohl auch darin zum Ausdruck, dass er 1972 von Harald Szeemann auf der „documenta 5“ in Kassel gezeigt wird.

1922 erschien das Buch „Bildnerei der Geisteskranken“ von Hans Prinzhorn. Gerhard Roth konstatiert diesem Werk 2001, es habe gesellschaftlich verändernd gewirkt. Prinzhorns reich bebildertes Buch „Bildnerei der Geisteskranken“ traf jedenfalls den Zeitgeist. Es erregte großes Interesse bei Künstlern wie Paul Klee, Oskar Schlemmer, Pablo Picasso oder Alfred Kubin. Die Bilder von Else Blankenhorn hatten großen Einfluss auf den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Einige der Arbeiten von Max Ernst haben direkte Bezüge zu den von Prinzhorn vorgestellten Patienten-Künstlern, vor allem zu jenen von August Natterer. In Natterers „Große Halluzination“, darunter „Der Wunder-Hirthe“, sind die Wurzeln des bildnerischen Surrealismus zu erkennen.

Vor allem Max Ernst machte Prinzhorns Buch in Paris, der damaligen Hauptstadt der internationalen Avantgarde, bekannt. Für die französischen Surrealisten hatte es den Stellenwert einer „Bibel“. Psychosen sind zu dieser Zeit „in“. Diese Außenseiter-Kunst wurde vor allem von den Surrealisten als eine „ursprüngliche Ausdruckskraft“, als eine unverfälschte Kunst, frei von allem akademischen und bildungsbürgerlichen Ballast empfunden. Längst verstorbene Künstler wie Vincent van Gogh wurden hoch stilisiert. Als dessen würdiger Nachfolger wurde der junge französische Schauspieler, Dramatiker, Regisseur, Zeichner, Dichter und Theater-Theoretiker Antonin Artaud – ab 1937 Patient in geschlossenen psychiatrischen Kliniken mit der Diagnose Schizophrenie – zu einer neuen Gallionsfigur.

Im Museum of Modern Art, New York, lief 1936 die Ausstellung “Fantastic Art, Dada and Surrealism”. Alfred Barr hatte darin auch Kunstwerke von Kindern und Geisteskranken gezeigt.

Ganz anders war die Situation kurz darauf in Deutschland. Die von Joseph Goebbels initiierte Wanderausstellung „Entartete Kunst“ eröffnete im Jahr 1937 in München eine heftige Attacke gegen die moderne Kunst. Unter der Leitung von Adolf Ziegler, damaliger Präsident der Reichskammer der bildenden Künste, wurden 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 Museen gezeigt. Die Ausstellung wurde bis zum April 1941 in zwölf weiteren deutschen Städten gezeigt und von über 3 Millionen Menschen besucht. Unter den ausgestellten Werken befanden sich nicht nur die bekanntesten Maler der europäischen Moderne – von Nolde über Klee bis Picasso –, sondern auch einige namenlose Werke von „Verrückten“. Dabei handelte es sich um Arbeiten aus der Prinzhorn-Sammlung. Alles, was nicht ins kulturelle Verständnis der Nationalsozialisten passte, wurde als „entartet“ angesehen: Kunstrichtungen wie Dadaismus,  Expressionismus, Kubismus, Fauvismus, Impressionismus, Neue Sachlichkeit und Surrealismus, aber auch Formen in anderen kulturellen Ausdrucksweisen, wie Tanz, Literatur, Architektur oder Musik. Was die Nazis unter „deutscher Kunst“ verstanden, wurde in der parallel stattfindenden „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München im „Haus der Deutschen Kunst“ gezeigt.

Gleichzeitig setzte eine Art „künstlerische Säuberung“ in den deutschen Museen ein. Man schätzt, dass 16.000–20.000 Kunstwerke in dieser Zeit zerstört oder gegen Devisen ins Ausland verkauft wurden. Vielen Künstlern, Museumsangestellten und Lehrern wurde Berufsverbot erteilt. Die von den Nationalsozialisten propagierte Auffassung von der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ führte zur planmäßigen Tötung von Psychiatriepatienten. In einer dieser Tötungsanstalten, Grafeneck auf der Schwäbischen Alb, wurden ab 1940 etwa 10.000 Patienten vergast.

Dessen ungeachtet wurden und werden auch in der Nachkriegszeit Künstler oftmals als geisteskrank beschimpft. Dem entgegneten österreichische Künstler auf ihre Art. Oswald Oberhuber etwa ließ sich in den frühen 1970ern in Anstaltskleidung fotografieren.

Der Künstler Jean Dubuffet beschäftigte sich mit dem Phänomen der ursprünglichen Kreativität und der antiintellektuellen, vom Bildvokabular der Kinder, Naiven und „Geisteskranken inspirierten Kunst. Als Sammler wurde Dubuffet mit dem von ihm 1945 geprägten Begriff „Art Brut“ identifiziert. 1948 gründete er nach einigen ersten Ausstellungen mit einem kleinen Kreis von Gleichgesinnten, darunter auch der Surrealist André Breton, in Paris den Verein „Compagnie de l`Art Brut“. Auf die Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert haben künstlerische Ausdrucksformen von „Außenseitern“ einen wesentlichen Einfluss genommen. Man sah in diesen Kunstformen ein „weiter zu verarbeitendes Rohmaterial“, spontane Äußerungen mit unkonventionellem Blick auf die Welt und ihre Wirklichkeit. Der fließende Begriff „Art Brut“ wird auch heute noch als Dubuffets geistiges Eigentum von den aktuellen Kustoden des Museums verteidigt und nur auf die Werke seiner Sammlung beschränkt – natürlich nicht ohne Kritik!

Die aus ganz anderen Entstehungsbedingungen hervorgegangene Kunst, wie sie uns etwa in der Prinzhorn-Sammlung begegnet, kann nicht mit dem für „professionelle“ Kunst gültigen Maßstab gemessen werden. Diese „Bildnereien“ sind gänzlich unabhängig von jenem Kunstwollen und Kunstkontext entstanden; und zwar als eine reale, existentielle Notwendigkeit sich auszudrücken. Wie der Hamburger Kunstwissenschaftler Michael Lingner bemerkt, liegt eine Gefahr in allen leider heute oft so „modernen“ Bemühungen – auch schon in jenen Jean Dubuffets – die Kunst von Menschen mit Psychiatrieerfahrung aus unserem Kunst- und Kulturverständnis heraus nicht mimetisch, sondern im Sinne der Mimikry nachzuempfinden. Das klägliche Ergebnis daraus könne nur allzu leicht eine total verwässerte, erkünstelte, hypehafte Primitivität sein.

Bestätigung für die Qualität „seiner“ Künstler soll direkt von Dubuffet der Wiener Psychiater Leo Navratil bekommen haben. Navratil hat sich in der Landesnervenheilanstalt Maria Gugging in Klosterneuburg vor allem um die Erforschung und Förderung der sogenannten „zustandsgebundenen Kunst“, also Kunst von Insassen psychiatrischer Anstalten, verdient gemacht. Er erschuf eine besondere Art der Therapie. Navratil strebte mit der Veröffentlichung der Werke eine zumindest künstlerische Gleichberechtigung an. Ganz im Sinne des Integrationsgedankens, versuchte er durch Verkäufe und Ausstellungen Anerkennung und Wertschätzung der Gesellschaft für die Künstler zu erreichen. 1965 gab er sein erstes Buch „Schizophrenie und Kunst“ heraus. Künstler wie Arnulf Rainer und Alfred Hrdlicka wurden nach Gugging eingeladen und lernten dort Johann Hauser, Rudolf Limberger u. a. kennen. 1970 findet die erste Ausstellung der Gugginger Künstler in der Galerie Nächst St. Stephan in Wien statt.

Österreich erweist sich in seiner jüngsten Geschichte ebenso als fruchtbarer Boden für alle an der Schnittstelle von sozialer und medizinischer Betreuung gelegenen Ansätze, aus denen heraus Kunst entstehen kann. Hier sind seit Jahrzehnten bedeutende Künstler wie Arnulf Rainer, Franz Ringel, Peter Pongratz, Alfred Hrdlicka tätig, die sich einerseits für Outsider-Art bzw. Art Brut und ihre schöpferischen Künstler-KollegInnen einsetzen, andererseits teils selbst bemerkenswerte Sammlungen besitzen. Innerhalb der jüngeren österreichischen Künstlerschaft haben seit 1990 vor allem die Zwillingsschwestern Christine und Irene Hohenbüchler die kontinuierliche Zusammenarbeit mit behinderten Menschen sowie mit Menschen mit Psychiatrieerfahrung, mit Strafgefangenen und Kindern praktiziert.

Die anlässlich des Freud-Jubiläumsjahres 2006 konzipierte Wanderausstellung „Die Kunst von innen – von der Kraft des Unbewussten“ hat einen Überblick über jene Szene gegeben, die sich in Österreich mit den künstlerischen Schöpfungen von Menschen mit psychosozialen und mehrfachen Beeinträchtigungen auseinandersetzt und diese fördert. Angelica Bäumer, die Kuratorin dieser in Österreich und im Ausland gezeigten Ausstellung, hat in der von ihr 2007 herausgegebenen Publikation unter Titel „Kunst von innen – Art Brut in Austria“ die Kunstentwicklung von Adolf Wölfli über die Sammlung Prinzhorn bis zu Jean Dubuffet, dem Begründer des Begriffes „Art Brut“, erläutert und die spezifische Szene in Österreich vorgestellt. Das von Leo Navratil gegründete, heute von Johann Feilacher geleitete „Haus der Künstler“ in Gugging setzte wesentliche Impulse zur Anerkennung der Kunst von Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Auch Institutionen wie die Caritas, die Diakonie, die Lebenshilfe, Jugend am Werk, Promente, sowie zahlreiche kleinere Organisationen haben Ateliers eingerichtet.

Es wäre wünschenswert, träten mehr Vertreter der professionellen Kunstszene in einen Dialog mit künstlerisch-kreativen Menschen und erzeugten gemeinsam mit diesen PartnerInnen künstlerische Werke, die sie anschließend gleichberechtigt neben eigenen Objekten präsentierten.

Besucher und Besucherinnen können gerade in den faszinierenden Werken der wenigen ernsthaften ART BRUT-Ausstellungen Zugänge zu Problemstellungen finden, mit welchen sie sich für gewöhnlich nie beschäftigen würden. Vielleicht stellen manche von ihnen auch ihr eigenes, nicht selten bedenkliches Kunst- und Welt-Bild in Frage, das nicht selten von althergebrachten Vorstellungen geprägt ist, die um fundiertes Können, gesunden Menschenverstand und Volksnähe kreisen.

AKTUELLE LINKS

Admont, Stift Admont, AUSSTELLUNG SAMMLUNG PRINZHORN

http://www.stiftadmont.at/deutsch/museum/museum/prinzhorn.php

Admont, Stift Admont, SCHÖPFUNGEN, Interdisziplinäres Symposion

Wien, Haus der Kunst, ART BRUT AUS JAPAN

http://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/highlights/art-brut-japan

Maria Gugging, ART / BRUT CENTER

http://www.gugging.org/

St. Florian Feuerwehrmuseum, ART BRUT IM WANDEL

http://www.feuerwehrmuseum.at/shop/shop.php?detail=1228485422

NS-Tötungsanstalt HARTHEIM

http://de.wikipedia.org/wiki/NS-Tötungsanstalt_Hartheim

6. September 2009

ARMIN LINKE . PHENOTYPES . LIMITED FORMS 2007

THE STRANGEST COPY CENTER I’VE EVER USED

THE EARLY ESPRESSO BOOK MACHINE OR ONLY A SIMPLE PLAGIARISM?

How can curatorial selection processes be presented as part of an artistic work in museum contexts? How can interactive internet applications be transferred to physical space? Where does it lead when authorship is extended to the visitor? The installation Phenotypes / Limited Forms from ARMIN LINKE (born 1966, lives and works in Berlin) could offer some answers. Maybe Linke has invented the ESPRESSO BOOK MACHINE (EBM – http://www.ondemandbooks.com/the_ebm.htm ), one of the Best Inventions of 2007, long before its introduction into the market. But it could also be the case that he has devoloped his PHENOTYPES after he has explored the EBM. The answer is blowing in the wind!

LinkeExploring the meaning of the individual image within a picture archive, illustrating the conditions of its production and use. Relocating Armin Linke′s photo archive into the museum space, the installation takes the artist′s studio situation and proposes a serviceable experimental arrangement: the visitor can view a thousand images, select works, group them, present a selection on the wall, print their selection as a unique edition, the title assigned is then projected in the exhibition space. These actions of individuals become the basis from which later visitors are received. The installation builds on the concept of a virtual book on demand accessible through arminlinke.com. The project is the formed through the cooperation between Armin Linke, Peter Hanappe (Sony Computer Science Laboratory, Paris), Alex Rich (London), Peter Weibel (ZKM), and the programme in exhibition design and curatorial practice at the Hochschule für Gestaltung. The resulting collective process of selection from Linke′s photo archive confirms that Phenotypes / Limited Forms is not a finished object for presentation but rather a space for production.

http://www.arminlinke.com/

5. September 2009

robotlab – bios [bible] – THE BIBLE SCRIBE

THE STRANGEST WRITING MONK I’VE EVER MET

robotlab . Matthias Gommel, Martina Haitz, Jan Zappe

bios02bios [bible] . The Bible Scribe
2007


The installation ‚bios [bible]‘ con
sists of an industrial robot, which writes down the bible on rolls of paper. The machine draws the calligraphic lines with high precision. Like a monk in the scriptorium it creates step by step the text.

Starting with the old testament and the books of Moses ‘bios [bible]’ produces within seven month continuously the whole book. All 66 books of the bible are written on rolls and then retained and presented in the library of the installation.

‘bios [bible]’ is focussing on the questions of faith and technical progress. The installation correlates two cultural systems which are fundamental for societies today – religion and scientific rationalism. In this contexts scripture has all times an elementary function, as holy scripture or as formal writing of knowledge.

In computer technology ‚basic input output system‘ (bios) designates the module which basicaly coordinates the interchange between hard- and software. Therefore it contains the indispensable code, the essential program writing, on which every further program can be established.

http://www.robotlab.de

THE STRANGEST BOOK I’VE EVER READ

Johann Jakob Scheuchzer, Physica sacra, 4 Volumes, Augsburg und Ulm 1731 – 35.

The lecture of these finest illustrated books at midnight totally alone in one of worlds most famous libraries  is an extraordinary experience comparable with nothing else.

 Kohel. Cap.. XXII. v. 6. Funis argenteus - Pred. Cap. XII. v. 6. Die silberne Schnur, Tabula CXDIII.

Johann Jakob Scheuchzer (August 2, 1672 – June 23, 1733) was a Swiss scholar born at Zürich. The son of the senior town physician (Archiater) of Zürich, he received his education in that place, and, in 1692, went to the University of Altdorf near Nuremberg, being intended for the medical profession. Early in 1694 he took his degree of doctor in medicine at the University of Utrecht, and then returned to Altdorf, Germany to complete his mathematical studies. He went back to Zürich in 1696, and was made junior town physician (Poliater), with the promise of the professorship of mathematics; this he obtained in 1710, being promoted to the chair of physics, with the office of senior town physician, in January 1733, a few months before his death on June 23. His published works (apart from numerous articles) were estimated at thirty-four in number. His historical writings are mostly still in manuscript. The more important of his published writings relate either to his scientific observations (all branches) or to his journeys, in the course of which he collected materials for these scientific works.

In the former category is his self-published Beschreibung der Naturgeschichte des Schweitzerlandes (3 vols., Zürich, 1706-1708), the third volume containing an account in German of his journey of 1705; a new edition of this book and, with important omissions, of his 1723 work, was issued, in 2 vols, in 1746, by JG Sulzer, under the title of Naturgeschichte des Schweitzerlandes sammt seinen Reisen über die schweitzerischen Gebirge, and his Helvetiae historia naturalis oder Naturhistorie des Schweitzerlandes (published in 3 vols, at Zürich, 1716-1718, and reissued in the same form in 1752, under the German title just given). The first of the three parts of the last-named work deals with the Swiss mountains (summing up all that was then known about them, and serving as a link betweTinea, pulvis et umbra [The moth, dust and shadow], Tabula DXLIXen Simmler’s work of 1574 and Gruner’s of 1760), the second with the Swiss rivers, lakes and mineral baths, and the third with Swiss meteorology and geology. Scheuchzer’s works, as issued in 1746 and in 1752, formed (with Tschudi’s Chronicum Helveticum) one of the chief sources for Schiller’s drama Wilhelm Tell (1804). In 1704 Scheuchzer was elected FRS; he published many scientific notes and papers in the Philosophical Transactions for 1706-1707, 1709 and 1727-1728. In the second category are his Itinera alpina tria (made in 1702-1704), which was published in London in 1708, and dedicated to the Royal Society, while the plates illustrating it were executed at the expense of various fellows of the society, including the president, Sir Isaac Newton (whose imprimatur appears on the title-page), Sir Hans Sloane, Dean Aldrich, Humfrey Wanley, etc. The text is written in Latin, as is that of the definitive work describing his travels (with which is incorporated the 1708 volume) that appeared in 1723 at Leiden, in four quarto volumes, under the title of Itinera per Helvetiae alpinas regiones facta annis 1702-1711.

2)TAB. DLXL. - DAS AUGE EIN WERCKE GOTTESThese journeys led Scheuchzer to almost every part of Switzerland, particularly its central and eastern districts. Apropos of his visit (1705) to the Rhône Glacier, he inserts a full account of the other Swiss glaciers, as far as they were then known, while in 1706, after mentioning certain wonders to be seen in the museum at Lucerne, he adds reports by men of good faith who had seen dragons in Switzerland. He doubts their existence, but illustrates the reports by fanciful representations of dragons, which have led some modern writers to depreciate his merits as a traveller and naturalist, for the belief in dragons was then widely spread. In 1712 he published a map of Switzerland in four sheets (scale 1/290,000), of which the east portion (based on his personal observations) is far the most accurate, though the map as a whole was the best map of Switzerland till the end of the 18th century. At the end of his 1723 book he gives a full list (covering 27 4to pages) of his writings from 1694 to 1721.

Scheuchzer is also known for his paleontological work. In his Lithographia Helvetica, he described fossils as „plays of nature“ or alternately as leftovers from the biblical Flood. Most famously, he claimed that a fossilized skeleton found in a Baden quarry was the remains of a human who had perished in the deluge. This claim, which seemed to verify the claims of Christian scripture, was accepted for several decades after Scheuchzer’s death, until 1811, when French naturalizt Georges Cuvier re-examined the specimen and showed that it was actually a large prehistoric salamander […]

Text ex: en.wikipedia.org/wiki/Johann_Jakob_Scheuchzer

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Filed under: Allgemeines — LitterART @ 20:33

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