THE VISIT . by Miba Eisbraun . 2012
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Visiting the exceptional Austrian artist Michi Maier and his extremly funny kids
Starring: Michi Maier . The Artist, Irmgard J. Eisner, Lena, Nana, Emma
Camera Dramatique: Barbara Eisner-B.
Technische Realisierung: Michael Braunsteiner
More Information about the artist:
http://www.castyourart.com/?s=Maier+Michael&x=0&y=0&sn=1
Miba Eisbraun
© 2012
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MICHAEL MAIER – RECHTSBILDER
Bilder von Recht und Gerechtigkeit
Text anlässlich der Ausstellungseröffnung in Graz, November 2010
Michael Braunsteiner
Wir stehen in einer Rauminstallation, in der sich Gegenwart und Vergangenheit treffen. Ausgangs- und Drehpunkt dieser vielteiligen Arbeit ist der allseits, insbesonders Juristen als auch HHhHistorikern bekannte Sachsenspiegel aus dem 13. Jahrhundert. Bei diesem Buch handelt es sich um eines der ältesten Rechtsbücher in deutscher Sprache und um das älteste bildlich dokumentierte Rechtssammlung. Unter den rund 460 erhaltenen Handschriften und Fragmenten des Sachsenspiegels finden sich vier Bilderhandschriften (sog. codices picturati) mit einer durchgehenden Illustration.
Diese einfachen, auch für ihre Zeit großartigen Bilder mit ihren oft naiv anmutenden Figuren und ihrer falschen Perspektive haben Michael Maier an seine eigenen Werke erinnert und inspiriert. Sowohl über sie als auch über den historisch-juridischen Inhalt fand er Zugänge zum Sachsenspiegel.
Er hat ihn somit auf zweifache Weise zu seinem heute präsentierten Bilderzyklus angeregt. Man muss wissen: Michael Maier ist ausgebildeter Jurist SOWIE autodidaktischer Künstler – und auch Schriftsteller. Schon in seinem von mir für die Kunstsammlung des Stiftes Admont angekauften großformatigen Bilderzyklus „Die Sieben Todsünden“, einer Wiederbelebung und Neuinterpretation eines kirchlichen Themas, oder im „Eherecht“-Zyklus hat dieser Doppelzugang seinen klaren Niederschlag gefunden. Themen wie Sünde, Verbrechen, Recht spielen in der Kunst von Michael Maier eine ebenso wichtige Rolle wie im realen Leben.
Es ist ungewöhnlich, dass sich aktuelle Kunst kaum so direkt mit dem Spannungsfeld Kunst und Recht auseinander setzt, wie es bei Michael Maier der Fall ist. Das kann damit zusammen hängen, dass es bei Gesetzen primär ganz nüchtern um Schrift geht, kaum um Bilder. Wenn es in der Kunst unserer Zeit um Recht geht, dann meistens um Rechtsfragen in eigener Sache. Sowohl im Sachsenspiegel als auch im vorliegenden Fall ist das anders. Der Künstler ist der Meinung, das Bild trage immer einen kurzfristigen emotionalen Sieg über das geschriebene Recht davon.
Michael Maier hätte in seinem Leben einen im Sinne unserer Gesellschaft geordneten Weg gehen können. Einem sorgenfreien Leben als Jurist wäre nichts entgegen gestanden. Stattdessen ist er ein volles Risiko eingegangen. Ich persönlich bin froh darüber. Aber Künstler sein zählt immer, noch mehr in Zeiten wie diesen, zu den sehr schwierigen Unterfangen. Selbst die Großen haben es nicht mehr leicht. Seinen spannungsgeladenen Entscheidungsprozess mitsamt allen damit verbundenen Zweifeln hat Michi Maier auch in einzelnen Bildern thematisiert. Ein solches etwa heißt KATHARSIS VORWÄRTS. Michi Maier - von seiner Kunst durchdrungen um nicht zu sagen ihr obsessiv verfallen – ist ein Kämpfer – unglaublich produktiv in seinem Atelier tätig. Seine oft riesigen Werke entstehen in schnellen Würfen. Er kämpft auch an vielen anderen Fronten. Er mobilisiert und networkt, er kontaktiert Sammler, er stellt Atelierräume und auch Ausstellungsräume wie diesen auf. So nebenbei. Unglaublich, wie er das schafft. Das gehört dazu. Selbstvermarktung verbunden mit Überzeugungskraft.
An dieser Stelle sei allen gedankt, die von Michi Maier überzeugt sind, die für ihn und mit ihm kämpfen.
A propos Überzeugung! Brave Salonkunst ist das keine. Diese Art Kunst spaltet die Geister. Entweder man ist für sie oder gegen sie. Ich denke, das ist gut so. Mit seichtem Mittelmaß haben wir es bei diesen Bildschöpfungen jedenfalls nicht zu tun.
Was sehen wir? Wir stehen mitten in einer temporären Installation von Groß- und kleinformatigen künstlerischen Statements zum Thema „Recht und Gerechtigkeit“. Der Künstler hat sieben Orte der Rechtsverwirklichungen in Form von Bildern und Skulpturen aufbereitet: Strafgericht, Zivilgericht, Universität, Finanzamt, Sozialamt, Arbeitslosenamt und Asylamt. Monumentale Figuren, teils erschreckend, teils infantil, blicken uns aus den farbkräftigen, gestisch gemalten Bildern an. In ihrer Frontalität, mit ihren auf uns gerichteten Blicken sprechen sie uns direkt an, ziehen uns hinein in ihre wilde Welt.
Schon auf den ersten Blick erweist sie sich als ein Konzentrat an Elementen aus Art Brut, Comics, Pop Art, Werbung. Aufgrund ihrer überraschenden Mischung aus Acryl-Malerei und PU-Schaum auf Platten hat sie sowohl Skulptur- als auch Malereicharakter. Wichtige Teile der Bilder treten dreidimensional hervor. Ernst und Humor, Spielerisches und Tragisches stehen in permanentem Dialog.
Wie alles bei diesem Künstler hat auch seine Malerei jene faszinierende Kraft, die sich zwischen scheinbar unvereinbaren Gegensätzen entwickeln und wirken kann. Michael Maier verbindet themenbegingt auch Bild und Schrift in diesen Werken. Auf in die Bilder integrierten Tafeln finden sich wörtlich zitierte Gesetzestexte. Assoziationen sind vielfältig: etwa zu den Gesetzestafeln Moses oder zu historischen Szenen mit öffentlich am Pranger samt umgehängter Tafel mit Hinweis auf das jeweilige Verbrechen zur Schau gestellten Angeklagten. Wie immer verschließt sich Michi Maier auch in diesem Punkt einer eindeutigen Auslegung und stellt so gut wie alles in Frage. Natürlich auch unser Rechtssystem. Die Schrift kommt aufgemalt oder eingeritzt in den Bildern vor. Die so dominanten virtuellen und medialen Welten haben ihre Spuren in den Bildern hinterlassen. Die Übermacht der Bilder im täglichen Leben spielt eine wesentliche Rolle Als Gegenpole zur Verzweiflung Rechtloser, Verurteilter oder auch nur mit VorURTEILEN behafteter Menschen begegnen wir Logos, Labeln, Statussymbolen aus der kapitalistischen Werbewelt: Chanel, Marlboro, BMW, Mastercard. Weder vor dem Gesetz noch in unserer Alltagswelt sind alle gleich. Jeder ist anders zu seinem Vor oder Nachteil. Die Einen können es sich richten. Die Anderen haben von vorne herein vierspielt. Gerecht ist das nicht. Aber es ist Realität.
Was will diese Kunst? Sie stellt Werte in Frage. Sie springt von der vorgegebenen sicheren Schiene mitten in die gefährliche Wildnis. Sie bricht aus. Sie will Neuland ergründen, einen Sinn finden und sich selbst einen geben – so wie ihr Schöpfer. Und seine Kunst will wachsen und uns als Betrachter wachsen lassen. Stillstand – ein dem Tode gleicher Zustand – ist nicht ihre Sache!
Wo sind wir? Bezeichnender Weise nicht in einem Museum oder einer Galerie, sondern in einer aufgelassenen trashigen Putzerei mitten in Graz, wo man keine Kunst vermuten würde.
Wer macht diese Kunst? Einer der sich nicht einordnen lässt. Einer, der mit seinem Ansatz die über weite Strecken saturierte Kunstszene gehörig aufmischt. Einer, der meines Erachtens unbedingt hin gehört in die österreichische Kunst- und Kulturszene, wenn garstige Verkrustungen aufbrechen sollen, über die man einfach hinwegzusehen gewohnt ist.
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Michael Maier – Next exhibitions:
JENSEITS DES SEHENS
Kunst verbindet Blinde und Sehende
Stift Admont – Bibliothek & Museum
25. März bis 8. Juli 2012
Kurator: Michael Braunsteiner
ZWISCHEN ERINNERN UND VERGESSEN
Endlichkeit & Ewigkeit
Stift Admont – Bibliothek & Museum
14. Juli bis 4. November 2012
Kurator: Michael Braunsteiner
http://www.stiftadmont.at/deutsch/museum/museum/gegenwart_gegenwartskunst.php
Exploring the meaning of the individual image within a picture archive, illustrating the conditions of its production and use. Relocating Armin Linke′s photo archive into the museum space, the installation takes the artist′s studio situation and proposes a serviceable experimental arrangement: the visitor can view a thousand images, select works, group them, present a selection on the wall, print their selection as a unique edition, the title assigned is then projected in the exhibition space. These actions of individuals become the basis from which later visitors are received. The installation builds on the concept of a virtual book on demand accessible through arminlinke.com. The project is the formed through the cooperation between Armin Linke, Peter Hanappe (Sony Computer Science Laboratory, Paris), Alex Rich (London), Peter Weibel (ZKM), and the programme in exhibition design and curatorial practice at the Hochschule für Gestaltung. The resulting collective process of selection from Linke′s photo archive confirms that Phenotypes / Limited Forms is not a finished object for presentation but rather a space for production.